Gastbeitrag: Kommentar zur Causa Breitenreiter

Unser Artikel zum Thema (Nicht-)Förderung junger Talente unter André Breitenreiter vor zehn Tagen hat polarisiert und für zahlreiche Kommentare auf unserer Facebook-Seite gesorgt. Einer der glühenden Fürsprecher von Breitenreiter ist Schalke-News-Leser Claas Pospiech, der sich nach der Entlassung des Ex-Paderborn-Trainers in einem Gastbeitrag heute der Causa Breitenreiter widmet.

Von Claas Pospiech

Seit heute ist es offiziell, Breitenreiter hatte gegen die TSG Hoffenheim sein letztes Spiel. In den Foren und den Medien schlugen ihm oft Hohn und Spott entgegen. Aber warum eigentlich?

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André Breitenreiter in seinem letzten Spiel für Schalke 04. Bild Getty Images

André Breitenreiter in seinem letzten Spiel für Schalke 04. Bild: Dennis Grombkowski/Bongarts/Getty Images

Ich persönlich finde Breitenreiter massiv unterschätzt. Seine ehemaligen Paderborner haben eine doch sehr gute Saison gezeigt, in dem einen Jahr in der Bundesliga. Schneller Offensiv-Fußball, der sich auf das Kontern spezialisierte.

Dasselbe hatte er auch auf Schalke vor. Plädierte dafür, dass man der Mannschaft Zeit geben soll, dass die junge Truppe Zeit brauchen werde um sich umzugewöhnen und endlich einen Spielstil zu entwickeln, der einer Schalker Mannschaft endlich wieder gerecht werden würde (Denken wir mal im Vergleich dazu an Di Matteo).

Die Zeit wurde ihm nun auch offiziell nicht gegeben, was ich bedauerlich finde. Die Mannschaft wurde und wird umgekrempelt, neue Spieler kommen, alte gehen (endlich?) und er versuchte einen für seinen Stil guten Kader zu bauen. Ich empfand seine Einkäufe und seine Antwort auf den Verkauf von Draxler und Farfan durchaus realistisch und endlich mal ehrlich. Es wurden zwei Schlüsselspieler abgegeben. die perfekt zu seinem Stil passten: schnell, dribbelstark und mit einer super Spielübersicht.

Es wurden ihm also, was das angeht, von Anfang an Steine in den Weg gelegt. Dazu kommen Verletzungen, die die Mannschaft stark geschwächt haben (Höwedes, Nastasic). Mit Belhanda und Schöpf wurden zwei Spieler geholt, die ein super Entwicklungspotential haben und sehr gut zum Stil passten.


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Apropos Stil. Oft wurde geschrieben und behauptet es gäbe keinen Spielstil und die Mannschaft wäre sich immer noch zu fein zum Kämpfen und Siegen. Breitenreiters Spielstil sollte, wie er es sagte, anfangen mit einer stabilen Defensive, die wenig Ballbesitz benötigt aber ein hohes Tempo und Laufbereitschaft (daher wurde auch Di Santo verpflichtet) zeigt, um so ein schnelles Umschaltspiel und Konterspiel zu zeigen. Auch sollte Schalke früh mit dem Gegenpressing beginnen, da, wie er selbst sagte, die meisten Kontertore innerhalb der ersten Minute nach Ballgewinn fallen. Angeblich habe man das nie gesehen. Aber ich verweise gerne auf die Offensivleistung gegen Köln (sehen wir mal von der Abwehr ab) und der richtig guten ersten Halbzeit gegen die Bauern. Oder an das Spiel gegen Dortmund, wo man meinen konnte, es wäre eine Dortmunder B-Elf auf dem Platz, die aber in der zweiten Halbzeit zu einer A-Elf wurde, die sehr früh attackiert wurde und so zu Fehlern gezwungen wurde.

Dazu hat er endlich eine Stammformation entwickelt, die Variationen kannte (unter Di Matteo oder Jens Keller vergeblich gesucht) und sogar im Spiel umschalten konnte. Es wurde schnell gekontert, überfallartig angegriffen und oft auch eine gute Defensiv-Leistung gezeigt.

Natürlich hatte das Ganze auch Schwankungen, aber nach 5 Trainern in 6 Jahren braucht es Zeit, bis sich ein System als eingebrannt erweist und immer funktioniert. Besonders nach den Stil-Fluktuationen in den letzten Jahren.

Es wurde ebenfalls kritisiert, dass er so wenig Jugendspielern eine Chance geben würde, was aber auch nicht sehr überraschend kam. Ich verweise jetzt mal auf die Entwicklung von Meyer (wo war er nochmal unter Di Matteo) oder Leroy Sané. Aber warum nicht Kehrer und Co? Nun, auf der einen Seite zeigen sie nicht immer Bundesliga-Reife. Auf der anderen, und für mich wichtigeren Seite steht, dass er erst eine funktionierende Mannschaft aufbauen wollte und darin dann junge Knappen integrieren wollte. Die Zeit zum Entwickeln wurde ihm auch hier nicht gewährt. Weder von den Fans, noch vom Verein.

Was kommt jetzt? Ein Weinzierl? Was wird mit ihm passieren, wenn er ebenfalls nach einem Jahr nicht sofort ein immer greifendes System aufgebaut hat? Jugendspieler, die nicht passen nicht hochzieht? Wird er auch rausgeworfen? Werden die Fans merken, dass Zeit und Anspruch sich unterstützen, aber das eine das andere nicht fordern kann?

Ich bin gespannt, was nächste Saison passiert. In der Mannschaft, den Fans, den Foren und ganz wichtig, bei unserem Neuen, Herrn Heidel.
Ich hoffe, dass nicht wieder ein Potential-Trainer einfach rausgeworfen wird, und endlich Zeit gegeben wird, dass sich was entwickeln kann, mit mehr Ruhe und besseren Einkäufen und Verkäufen.

Glück auf!
-Claas Pospiech

Über Redaktion (1091 Artikel)
Moritz Nolte ist Journalist und Blogger. Außerdem Vereinsmitglied und Dauerkartenbesitzer beim FC Schalke 04.

1 Kommentar zu Gastbeitrag: Kommentar zur Causa Breitenreiter

  1. Endlich einmal eine ralistische Betrachtungsweise der Situation. Hut ab, Herr Pospiech. Sie sprechen mir aus dem Herzen.

    Leider gibt es aber unter uns Schalkern noch genug Träumer, die auf den Fußball-Messias hoffen, der aus einem Schrotthaufen eine Meistermannschaft in 6 Wochen gestaltet… Lächerlich, denn genau die bekommen auch noch immer recht.

    Frage: Was wäre gewesen, wenn Lüdenscheid Nord so mit J. Klopp umgegangen wäre, als sie kurz vor dem Abstieg standen?

    Geduld ist leider keine Schalker Tugend!

    Mit AB geht einer, dem ich es zugetraut hätte. Aber auch er braucht Zeit, die ihm nicht vergönnt war. Unter den Vorraussetzungen wird es auch kein Ur-Bayer Weinzierl, noch ein Pep oder sonst ein Trainer schaffen. Schalke ist unter diesen Vorraussetzungen leider immer wieder zum Scheitern verurteilt.

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