Großes Draxler-Interview: „Das war für die Schalker, die Fans und das Umfeld nur schwer zu akzeptieren.“

In einem großen Interview mit Spox und Dazn hat der Nationalspieler und ehemalige Schalke-Profi Julian Draxler die Anfänge seiner Karriere Revue passieren lassen. Er spricht unter anderem darüber, wie Norbert Elgert und Raul ihn geprägt haben und warum er kein Schalke-typischer Malocher war.

Julian Draxler

Von Niklas Berkel

„Seit diesem Tag bin ich vom Mythos Schalke infiziert“, sagt Julian Draxler Spox und Dazn. Er erinnere sich noch ganz genau an seinen ersten Besuch im Parkstadtion. „Es war ein Spiel gegen den VfB Stuttgart. Ich kann mich zwar nicht mehr ans Ergebnis erinnern, aber umso besser an meine ersten Eindrücke. Es hat in Strömen geregnet, es gab alte Sitzbänke und keine Überdachung.“

„Ich war das Gegenteil eines Malochers“

Seit diesem Tag ist aber im Leben des Julian Draxler viel passiert. Viele Jahre später stand er selber da unten, auf dem Rasen, bei seinen Idolen. Doch gerade zu Beginn seiner Karriere, noch in seiner Jugendzeit, durchlebte der talentierte Dribbler eine schwierige Zeit. „Eigentlich war ich das Gegenteil eines Malochers. Wenn man es böse formulieren möchte: ein Schönwetterfußballer.“ Also war Draxler quasi das Gegenstück zu dem, was Schalke-Fans sehen wollen. „Zu Beginn meiner Profikarriere wollte ich jede Situation spielerisch lösen, sodass mir das Körperliche und Kämpferische abgegangen ist. Das war für die Schalker, die Fans und das Umfeld nur schwer zu akzeptieren.“

Einer, der ihm in seiner Zeit in der Knappenschmiede geholfen hat, war Norbert Elgert. „Wenn ich darüber nachdenke, wie sehr er mich geprägt hat, was er für Werte vermittelt hat, kenne ich im Fußball niemand Vergleichbaren. Bei ihm geht es nicht nur um Fußball. Von ihm nimmt man auch andere Dinge mit. Zum Beispiel, wie man sich zwischenmenschlich zu verhalten hat, wie eine Gesellschaft funktionieren sollte – solche Sachen.“

Erste Begegnung mit Raúl: „Da kam nur Genuschel raus“

Ein anderer, dem er noch heute viel verdankt, war Raúl. Als Draxler mit 16 Jahren zum ersten Mal bei den Schalker Profis trainieren durfte, stammelte er nur, als Raúl vor ihm stand. „Ich wollte auf Englisch sagen: ‚Hello, I am Julian.‘ Da kam aber nur Genuschel raus. Ich habe ihm kurz die Hand gegeben, bin schnell weitergegangen, habe mich hingesetzt und die Klappe gehalten.“ Doch Raúl habe ihn auch an die Hand genommen, Draxler Tipps gegeben. „Er hat dann gemerkt, dass ich von ihn lernen wollte.“

Eine zweite schwierige Phase hatte Draxler dann kurz nach seinem Debüt für den FC Schalke. Im Pokal gegen Nürnberg erzielte er nach seiner Einwechslung in der 116. Minute drei Minuten später den Siegtreffer. Dann spielte er im San Siro in Mailand, war dabei beim legendären 5:2-Sieg der Schalker. Im Champions-League-Halbfinale ging es dann sogar ins Old Trafford nach Manchester. „Du denkst dir dann natürlich schon: Okay, Fußball läuft. Dass du dich dann auch mal für den Größten hältst, ein, zwei Prozent weniger gibst und meist, es würde schon alles von selbst laufen, ist ganz normal.“ Es habe für ihn ein halbes Jahr gegeben, in dem er weniger trainierte. „Ich habe auch mal gesagt: Es ist ja nur Training. Das war zuvor für mich jahrelang undenkbar. Wenn du ein halbes Jahr, nachdem du deinen ersten Profivertrag unterschrieben hast, einen neuen Vertrag unterschreibst, durch den plötzlich das Zehnfache verdienst, ist das nicht leicht zu verarbeiten. Du wirst nachlässig.“

Wie Draxler es schaffte, diese Phase zu überstehen, wie der Druck ein junges Talent verändern kann und vieles mehr von Draxler über den FC Schalke, lest Ihr im großen Spox-Interview.

https://www.spox.com/de/sport/fussball/international/frankreich/1911/Artikel/psg-star-julian-draxler-im-interview-ich-musste-mir-von-meinem-nachbarn-anhoeren-dass-ich-scheisse-bin-itw.html

 

Über Moritz (1272 Artikel)
Moritz ist Journalist und Blogger. Außerdem Vereinsmitglied und Dauerkartenbesitzer beim FC Schalke 04.