Benjamin Stambouli ist SCHALKER geworden

Immer wieder wurde sich über die mangelnde Weitsicht beschwert, mit der vor allem junge Talente verloren gingen. So ist es bei Leon Goretzka, Max Meyer, Benjamin Goller und unzähligen anderen Youngstars aus dem Schalker Nachwuchs geschehen. Doch auch bei den erfahrenen Spielern wurden immer wieder wichtige Stützen des Teams verkauft, ohne darauf zu achten, ob es noch genug Führungsspieler gibt. Nur Kapitän Fährmann und Matija Nastasic sind schon Teil des Profikaders gewesen bevor Heidel zum FC Schalke kam. Doch vor allem bei Kapitän Ralf Fährmann ist die sportliche Zukunft offen. Der Berater von Fährmann, der seinen Stammplatz im Tor aufgeben musste, machte deutlich, dass „Ralle“ zu jung sei, um nur auf der Bank zu sitzen.

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Immer wieder werden vor allem in Fankreisen Stimmen laut, der Mannschaft fehle es an Charakter und keiner von Ihnen würde die Geschichte des Vereins leben. Führungsspieler und Leitwölfe, die sowohl auf als auch neben dem Platz den Ton angeben, schienen in dieser Saison Mangelware zu sein. Vor allem der Abgang von Derbyheld Naldo traf viele schwer. Dabei war der Brasilianer auch kein Schalker Urgestein.

Dass die Königsblauen Charakter zeigen können, hat das Team von Huub Stevens vor einer Woche im Derby gezeigt. Ein extrem wichtiges Zeichen für Verantwortliche, Fans und die Mannschaft selbst. Doch einmal ist zu wenig, nicht ohne Grund steht die Mannschaft im unteren Tabellendrittel. Mit dem gestrigen Unentschieden gegen Augsburg vor heimischen Publikum konnte der Abstieg nun immerhin endgültig verhindert werden. Eine Leistung, mit der man sich nicht rühmen sollte, ist dies allerdings nicht. Da stimmen Spieler, Sportvorstand Jochen Schneider und Huub Stevens überein. Letzterer machte in der Pressekonferenz vor dem gestrigen Heimspiel gegen Augsburg deutlich, dass der Derbysieg zwar ein sehr schönes Erlebnis war und sehr wichtig für Team und Fans, doch ein Sieg einfach zu wenig sei.

Dennoch ist nicht alles schlecht! Die Lücken, die durch Abgänge offengelegt wurden, wurden von einigen Spielern gefüllt, die vielleicht nicht die längste Schalke-Historie haben, sich aber in der Rangliste nach oben malochten. Ein Beispiel dafür ist der anfänglich unscheinbare Benjamin Stambouli. Der Franzose, der 2016 von Paris Saint Germain zum FC Schalke 04 wechselte, galt in seiner ersten Saison als Spieler, der immer wieder Unsicherheiten und Fehlpässe in sein Spiel im defensiven Mittelfeld einbaute. Nur wenige Fans sahen seine Klasse in der Spieleröffnung sowie die Ballsicherheit von Beginn an. Das sollte sich allerdings unter Domenico Tedesco ändern. Der junge Ex-Trainer von Schalke 04 setzte den Franzosen fortan in der Verteidigung ein und gab ihm das nötige Vertrauen, das er brauchte. Vor allem auf der rechten Position in der Dreierkette konnte Stambouli immer mehr Fans von seinem Spiel überzeugen. Heute ist die Nummer 17 des FC Schalke aus keiner Startformation rauszudenken und wenn er doch einmal fehlt, ist dies für das Team meist schmerzlich. So verzeihen es ihm die Fans auch, wenn er doch einmal etwas ungelenk einen Ball klärt und dabei unbeabsichtigt mehr den Gegenspieler als den Ball trifft oder seine oftmals sehr guten Spieleröffnungen beim gegnerischen Team landen. „Benji“ rafft sich nämlich jedes Mal direkt auf, um seinen Fehler wieder gut zu machen.

Vizekapitän, Mentalitätsmonster, Publikumsliebling. Benjamin Stambouli hat das geschafft, was (noch) nicht allen aus dem aktuellen Schalker Aufgebot gelungen ist. Mit harter Maloche, dem eindeutigen Willen sich für den FC Schalke stark zu machen und konstanten Leistungen ist Stambouli fester Teil von Schalke geworden. So zeigte der Franzose von Anfang an großes Interesse an der deutschen Sprache sowie dem Schalker Liedgut. Seine Textsicherheit ist auch auf dem ein oder anderen YouTube Video zusehen, in dem er sein Lieblingslied „Asoziale Schalker“ mit seinem unverkennbaren französischen Akzent schmettert. Doch was die Fans ihm noch höher anrechnen, ist, dass er auch in schwierigen Situationen dem Konflikt nicht aus dem Weg geht. Er identifiziert sich mit dem Verein wie kaum ein Zweiter, lebt die Fans und ihre Emotionen und setzt sich mit der Geschichte des Clubs auseinander. Für Stambouli ist Schalke nicht irgendeine Station seiner Fußballkarriere, sondern eine Heimat geworden. Er lebt Schalke und das braucht der Verein um wieder zu alter Stabilität und Teamgeist zu finden. Grade deshalb ist es so wichtig die verbliebenen Identifikationsfiguren an den Verein zu binden.

Benjamin Stamboulis Vertrag läuft ebenso wie der von Torwarttalent Alexander Nübel, Daniel Caligiuri, Bastian Oczipka und Yevhen Konopolyanka bis zum 30.6.2020. Über den Ukrainer häufen sich jedoch die Schlagzeilen, die eine vorzeitige Trennung im Sommer andeuten.