Spielanalyse: Leverkusen – Schalke

Leverkusen gegen Schalke – ein Spitzenspiel, das trotz Platzverweis auch in taktischer Hinsicht spannend blieb. 

Schalke-Leverkusen

Domenico Tedesco schickte seine Mannschaft taktisch unverändert zu den Spielen gegen Bayern und Hoffenheim in einem 3-4-1-2 aufs Feld. Lediglich Meyer kam nach einer Sperre zurück für Stambouli und Oczipka ersetzte den etwas angeschlagenen Schöpf. Di Santo übernahm wieder die 10 bzw. hängende Spitze, Meyer blieb in der Zentrale defensiver als Goretzka, sodass es situativ zu einem 3-1-4-2 kam. Leverkusen-Coach Heiko Herrlich fehlte Jonathan Tah, der von Retsos ersetzt wurde. Ansonsten lief auch seine Mannschaft unverändert zum letzten Spiel auf, mit Viererkette in einem 4-2-3-1.

In den ersten Minuten wurde sofort klar, was sich die Teams vorgenommen hatten. Schalke presste mit Burgstaller, Embolo und Di Santo konsequent bis zur gegnerischen Viererkette während Goretzka und der jeweilige Außenverteidiger die Passmöglichkeiten zustellten. Max Meyer sicherte den gegnerischen Zehnerraum, und die Dreierkette blieb strukturiert relativ nah hinter ihm. Leverkusen hatte mit zwei 6ern allerdings genug Personal um nach Ballverlust sofort sechs bis acht Mann hinter den Ball zu bekommen. Nach vorne waren sie zu langen Bällen gezwungen, die aber kaum Abnehmer fanden. Für defensive Stabilität opferte Heiko Herrlich mögliche Überzahlsituationen im Umschalten und ließ seine Mannschaft nicht bis zur letzten Linie pressen. So war Schalke wiederum in der Defensive in Überzahl und konnte die meisten zweiten Bälle gewinnen. Zwar fanden die Knappen im Spielaufbau keine Lücken, Caligiuri konnte nach elf Minuten und nach Ballgewinn aber einen langen Ball auf Burgstaller schlagen, der Retsos aussteigen ließ und zum 0:1 verwandelte. Ein klarer Fehler des jungen Griechen, den der Österreicher allerdings auch stark auszunutzen wusste. Auch wenn Bayer diesmal nicht mit 8 Mann hinter dem Ball war, stimmte die Absicherung eigentlich, nur der Laufweg des Verteidigers eben nicht. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten die Knappen übrigens 33% Ballbesitz und 60% Passerfolg.

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Ein paar Minuten brauchte Leverkusen, um sich von dem Gegentreffer zu erholen. Die Knappen mussten aber einsehen, dass sie aus dem Spielaufbau heraus kaum die gegnerischen Reihen bezwingen konnten, und als sie defensiv mehr Räume anboten, wurde Leverkusen sofort gefährlich. Also konzentrierte man sich wieder mehr auf die Defensive, jedoch ohne sich hinten rein zu stellen. Wurde die erste Pressingreihe überspielt, so zogen sich die Knappen in ein (ungefähres) 5-3-2 zurück, wobei immer drei Spieler aus den Ketten herausrückten, um in Ballnähe anzugreifen. Leverkusen spielte zu langsam nach vorne, sodass sie keine echte Gefahr erzeugen konnten. Kurioses zeigten sie in der 35. Minute, als Bender mit Ball am Fuß wartete, bis Burgstaller endlich auf ihn zulief. Das sah schon alles ziemlich rat- und planlos aus. Zudem schraubte Schalke das Risiko runter und kam seit dem Treffer auf 50% Ballbesitz und 80% Passerfolg.

In der 38. Minute nahm Dominik Kohr seinem Trainer die Entscheidung ab, ob dieser auf einen einzelnen 6er umstellen sollte, und verabschiedete sich mit einer unnötigen Gelb-Roten Karte von der Partie. Bis zur Pause übernahm Schalke komplett das Ruder – mit 70% Ballbesitz und 80% Erfolgsquote.

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Kurz nach der Pause – nicht etwa in der Pause – wechselte Tedesco. Später sollte er dies damit begründen, auf mögliche Umstellungen des Gegners zur Pause reagieren zu können. Diese blieben aber aus. So brachte er Harit und Stambouli für die gelb belasteten Burgstaller und Meyer. Damit rückte Di Santo weiter in die Spitze, hinter ihm positionierten sich Harit und Goretzka, die nun ein ums andere Mal auf die Flügel auswichen und stark rotierten. Dahinter, als alleiniger 6er, kümmerte sich Stambouli um die Raumdeckung und den Spielaufbau – seine Stärken, wenn er genug Platz hat (was übrigens einer der Gründe für seine häufige Aufstellung in der Verteidigung ist). Somit präsentierte sich Schalke nun in einer Art 3-1-4-2 mit viel Bewegung, konzentrierte sich aber weiterhin auf defensive Stabilität.

Nach einer Phase geprägt von viel Mittelfeldgeplänkel ließ sich Bayer Leverkusen mal wieder etwas einfallen. Abwechselnd überlud man die rechte und die linke Seite mit drei bis vier Spielern, um dem Außenstürmer auf der gegenüberliegenden Seite Platz zu schaffen. Allerdings fehlte in der Mitte ein richtiger Zielspieler, Volland mischte eher bei den Überladungen mit. Hätte Bayer hier einen weiteren Spieler auf dem Platz, der in die sich auftuenden Zehnerräume vorstoßen könnte, so wäre das brandgefährlich geworden. So blieb Heiko Herrlich zunächst nur die Möglichkeit mit Alario für Volland einen echten Zielspieler zu bringen. Und dies zeigte prompt Wirkung: Während Stambouli und ein Innenverteidiger auf die überladene Seite rücken mussten, boten sich in der Mitte zu große Räume, sodass Leverkusen verstärkt zu Halbchancen kam. Keine 5 Minuten schaute Tedesco sich das an, bis er reagierte und Bentaleb für Goretzka einwechselte. Dieser positionierte sich neben Stambouli in eben jenem Zehnerraum der Gegner und konnte die Position durch die Überzahl abdecken, wenn Stambouli herausrücken musste (und natürlich auch umgekehrt). Auf der anderen Seite verlor Schalke in dieser Phase jeglichen Zug nach vorne, die Mannschaften neutralisierten sich erneut.

In der 71. Minute brachte Herrlich deshalb Kießling und Bellarabi und stellte – angelehnt an sein erfolgreiches 4-2-2-2 – auf ein 3-2-2-2 um. Was folgte, war wieder einmal eine Schlussphase, wie wir sie zuletzt häufig gesehen haben. Der Gegner drückte und kam vereinzelt zu Chancen, für Schalke boten sich Räume zum Kontern. Aufgrund der Ungeübtheit von Bayer mit Dreierkette zu spielen, kam Embolo zweimal allein vors Tor. Beim ersten Mal parierte Leno weltklasse, beim zweiten Mal grätschte Retsos von schräg hinten in den Ball. Dabei berührte er jedoch zuerst den Gegenspieler, weswegen der Schiedsrichter, auch mit VAR, auf Elfmeter entschied. Zuvor gab es womöglich ein Handspiel im Mittelfeld von Embolo, was hier entweder nicht in Betracht gezogen oder generell nicht als sträflich angesehen wurde. Bentaleb verwandelte den Strafstoß souverän und entschied so das Spiel.

Fazit

Leverkusen schenkte mit wenigen unnötigen Fehlern den Schalkern das Spiel. Sie schienen sich keine Mittel zurechtgelegt zu haben, um Schalke gefährlich zu werden, obwohl diese in erwarteter Aufstellung und Taktik spielten. Allerdings machten es die Knappen defensiv auch unheimlich gut und leisteten sich keine schlimmen Fehler. Die Überzahl spielten sie vorbildlich aus, auch wenn offensiv vielleicht etwas mehr hätte kommen können. Somit kann der Sieg durchaus als verdient angesehen werden.

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