Schicht im Schacht

Eigentlich sollte das letzte Heimspiel vor der Winterpause die Gemüter auf Schalke beruhigen. Ein Sieg gegen Leverkusen, der emotionale Abschied vom Bergbau und ein respektabler Abstand zum Relegationsplatz. Doch weder konnte Schalke sich aus dem Tabellenkeller verabschieden, noch die Verfolger auf Abstand halten. Schalke verlor am 16. Spieltag mit 1:2 gegen die Werkself aus Leverkusen.

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Domenico Tedesco orientierte sich taktisch an der guten zweiten Halbzeit gegen Augsburg und ließ Stambouli neben Bentaleb auf der sechs auflaufen. Das bereitete Leverkusen in den ersten 20 Minuten sichtlich Probleme. Die Herrlich-elf schaffte es kaum in das letzte Schalker Drittel vorzudringen. Doch der S04 wurde früh geschockt. Nach dem ersten großen Aufbaufehler der Schalker, vergab Kohr freistehend vor Fährmann (24.). Diese Großchance änderte die Dynamik im Spiel. Dragovic (27.) erzielte nach Videobeweis den Führungstreffer und Alario erhöhte nach einem Fährmann-Patzer auf 0:2 (35.). Noch vor der Pause gelang den Königsblauen der Anschlusstreffer durch Haji Wright, sein erster Bundesligatreffer überhaupt.

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Beide Teams blieben im weiteren Spielverlauf weit unter ihren Möglichkeiten. Leverkusen jedoch erzielte aus drei Chancen zwei Tore. Das ließ Heiko Herrlich aufatmen. Dem ebenfalls angeschlagenen Trainer verschaffte es somit Luft. Domenico Tedesco hingegen wirkte wie erstarrt. Weder der emotionale Abschied vom Bergbau, noch die Abstiegsangst vermochten es in der ersten Halbzeit aus seinen Spielern, den Torhunger hervorzurufen, der in der zweiten Halbzeit immer wieder aufblitzte. Wieder einmal scheiterte es an der Chancenverwertung. Skrzybski und Konopolyanka ließen in der zweiten Hälfte, in der die Leverkusener kaum noch stattfanden, zwei Großchancen aus.

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Das Spiel der beiden Mannschaften war von taktischen Fouls und Unsicherheiten durchzogen. Die Leverkusener entschieden sich bereits in der 60. Minute auf Zeitspiel zu setzen, anstelle das 1:3 zu erzwingen. Doch auch das half den Schalkern nicht den Ausgleich zu erzielen. Der S04 war zwar in der zweiten Hälfte die bessere Mannschaft, aber viel zu harmlos gegen passive Leverkusener. Vor allem Kapitän Fährmann konnte sich nach Abpfiff seinen Fehler nicht erklären und entschuldigte sich bei den Fans, die die Mannschaft nach einer Totenstille mit einem gellenden Pfeifkonzert empfingen. Die Stimmung auf Schalke ist nun endgültig gekippt – das wissen Spieler, Trainer und Manager.

Am letzten Spieltag der Hinrunde trifft der S04 im Kellerduell auf den VfB Stuttgart und droht auf einem Relegationsplatz zu überwintern. Dennoch sprach Christian Heidel Domenico Tedesco eine Jobgarantie aus: „Die Frage stellt sich nicht. Ich tue mich schwer, einen Trainer in Frage zu stellen, den vor vier Monaten noch alle bejubelt haben“.