Gegneranalyse: SC Freiburg

Nach der Länderspielpause empfängt der FC Schalke 04 den nächsten abstiegsgefährdeten Verein: den SC Freiburg. Was diesen ausmacht, analysiert diese Woche Freiburg-Spezialist Mischa von zerstreuung-fussball.de, wo im Gegenzug übrigens unser Artikel über Schalke erscheint.

Schalke-Freiburg

Diesen Samstag empfängt Schalke 04 den auswärtsschwachen Sportclub aus Freiburg. Erst einmal konnten die Breisgauer auf fremdem Platz punkten (1 Sieg, 6 Unentschieden, 6 Niederlagen). Zudem stellt man mit 31 Gegentreffern in 13 Auswärtsspielen die mit Abstand schlechteste Defensive dar.

Und trotzdem hat sich der Sportclub seit der Winterpause bei Auswärtsspielen sehr stabilisiert. In den bisherigen fünf gab es vier Unentschieden gegen durchaus starke Gegner, wie Hoffenheim, Dortmund oder Frankfurt. Schalke 04 würde perfekt in dieses Schema passen.

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Die Systemfrage

Grob gesagt spielt der SC Freiburg mit zwei verschiedenen Systemen. In letzter Zeit griff Streich wieder vermehrt auf seine typische 4-4-2-Formation zurück. Bei eigenem Spielaufbau schieben die Außenverteidiger hoch und einer der Sechser fällt zwischen die beiden Innenverteidiger zurück, obwohl dieses Abkippen nicht mehr ganz so konsequent durchgezogen wird und abhängiger vom Gegner ist als in den Saisons zuvor. Interessant ist bei diesem System vor allem die zweite Spitze neben Petersen, die häufig von Haberer oder Kleindienst ausgefüllt wird. Es handelt sich dabei weder um einen klaren Stürmer, noch um einen Zehner und wird deswegen von Streich gerne „schwimmender Neuneinhalber“ genannt. So bezeichnet Streich auch Thomas Müller, wenn dieser nominell hinter Lewandowski spielt.

Gegen den Ball interpretiert Freiburg dieses 4-4-2-System vertikal wie horizontal sehr kompakt, sodass man in Ballnähe eine gewisse Überzahl herstellen kann. Wie bei Pressingsystemen üblich, laufen die Angreifer die Innenverteidiger seitlich an, um den Ball auf die Außen zu zwingen. Das Anspiel der Außenverteidiger ist beim Sportclub häufig ein sogenannter Pressingauslöser. Mit der Überzahl in Ballnähe und dem Seitenaus als zusätzliche Begrenzung für den Außenverteidiger, werden möglichst schnell alle flachen Passwege zugestellt und Druck auf den Gegenspieler ausgeübt, um den Ball zu erobern. Die meisten Gegner haben sich allerdings mittlerweile darauf eingestellt und binden die Außenverteidiger gegen Freiburg nur noch selten in den Aufbau mit ein. Bei Schmidts Wolfsburg konnte man sogar beobachten, dass der Außenverteidiger absichtlich angespielt wurde, um das Pressing zu provozieren und dadurch die frei werdenden Räume bespielen zu können.

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In letzter Zeit spielte der Sportclub meistens mit der Viererkette (Ausnahme: gegen den FC Bayern) und trotzdem gibt es gute Gründe für die Annahme, dass es gegen Schalke einen Systemwechsel geben wird. Das zweite System, das die Freiburger eingeübt haben, eine 5-2-3-Formation, passt deutlich besser auf Schalkes Dreierkette. Gerade, weil man mit drei Stürmern die drei Verteidiger anlaufen könnte und die Außenverteidiger sich an den gegnerischen Außenverteidigern orientieren könnten.

Um Dreierketten zu analysieren, greife ich gerne auf die Vorstellung einer 5-5-Systematik zurück. Die erste Fünf steht für die Verteidiger, deren Aufgaben meistens ziemlich klar und konstant sind. Drei Innenverteidiger sind für den Spielaufbau und die Absicherung zuständig. Die beiden Außenverteidiger geben dem Spiel Breite. Ihre Rolle variiert meistens nur durch die Höhe der Grundposition und der Bereitschaft sich im Angriff mit einzuschalten. Die Unterschiede von Dreierketten sind vor allem in der Staffelung des vorderen Fünferblocks zu suchen.

Wenn ich es richtig bei Schalke beobachtet habe, so ist dies auch die Stellschraube, an der Tedesco dreht, um seine Mannschaft an Gegner anzupassen. 2-2-1-, 2-1-2-, oder 1-2-2-Staffelungen sind bei den Schalkern wohl favorisiert.

Charakteristisch ist dabei, dass es sich um sehr enge Staffelungen handelt und darin liegt auch der größte Unterschied zur Freiburger Dreierkette. Hier tritt der vordere Fünferblock meistens in einem breiteren 2-3, beziehungsweise einem 2-2-1 (wenn Petersen etwas vorgezogen ist) auf. Damit diese Ausrichtung keine zu großen Lücken anbietet, muss viel verschoben werden, was das enorme Laufpensum der vordersten Reihe erklärt. Spielt Freiburg mit der Dreierkette, wird der fehlende Stürmer im Angriff durch die etwas aktiveren Mittelfeldspieler und deutlich offensiveren Außenverteidiger kompensiert.

Wie gesagt, aufgrund der Dreierkette Schalkes kann man davon ausgehen, dass der Sportclub ebenfalls mit der Dreierkette spielt. Ganz sicher ist das aber nicht. Eine weitere Möglichkeit ist ein Systemwechsel während des Spiels, falls Freiburg in Rückstand geraten sollte.

Personal

Höfler hat gegen Stuttgart das erste Mal nach seiner Verletzung wieder 90 Minuten durchgespielt und müsste als spielstärkster zentraler Mittelfeldspieler gesetzt sein. Ob es bei Mike Frantz wieder für die Startaufstellung reicht, ist noch sehr ungewiss und so könnte der junge Robin Koch weiterhin neben Höfler auflaufen. Koch wäre wahrscheinlich auch der einzige Spieler im Kader, der bei Standards auf Naldo aufpassen könnte.

Als linker Außenverteidiger ist Günter praktisch durchgehend gesetzt, rechts wechseln sich Kübler und Stenzel in letzter Zeit ab. Als defensivere Variante spielt Kübler vor allem in der Viererkette, könnte also gegen Schalke wieder auf die Bank rücken.

Die Frage ist, ob in der vordersten Reihe etwas passiert. Petersen und Haberer werden höchstwahrscheinlich spielen. Auf der rechten Seite ist Höler seit der Winterpause ein wichtiger Teil des Pressingsystems geworden, hat aber gerade bei eigenem Ballbesitz noch keine richtige Bindung zum Spiel. Hier wären Kleindienst, Terrazzino oder Kath eine Option.

Ob der schmerzlich vermisste Ravet wieder fit wird ist noch unbekannt und Kapustka, der im Hinspiel gegen die Knappen einer seiner besten Spiele machte, wird momentan nicht berücksichtigt.

Prognose zur Aufstellung: Schwolow – Günter, Söyüncü, Gulde, Lienhart, Stenzel – Koch, Höfler – Haberer, Petersen, Höler.

Spielanlage

Der SC Freiburg hat im Spiel mit dem Ball einen leichten Linksdrall. Günter rückt deutlich weiter auf als Stenzel oder Kübler. Dadurch kann der linke Flügelspieler etwas zentraler einrücken und sich gegebenenfalls für ein Anspiel aus dem Mittelfeld zurückfallen lassen. Auch Höfler orientiert sich meist auf links. Die rechte Seite hingegen ist mehr mit dem Aufbauspiel und der Absicherung beschäftigt.

Um ins letzte Drittel zu kommen, hat der Sportclub verschiedene Lösungen. Häufig werden die Außenverteidiger eingebunden, die dann versuchen den Ball in den Achterraum zu bringen. Lässt der Gegner zu viel Platz im Zentrum, so läuft das Spiel über Höfler. Schafft es der Sportclub nicht spielerisch aufzubauen, weil der Gegner zu viel Druck ausübt, wird auf den langen Ball zurückgegriffen. Dabei geht es weniger darum, den Abschlag direkt zum Angreifen zu bringen, sondern vielmehr durch einen der Sechser und zurückfallenden Angreifern den zweiten Ball zu erobern.

In der Theorie wie auch in der Praxis kommt der Sportclub ganz gut ins letzte Drittel. Die momentan große Schwäche ist es, dass man sich von dort aus zu wenige klare Chancen erarbeitet. Der Grund liegt vor allem in der Qualität des offensiven Personals. Es fehlen neben Haberer weitere kombinationsstarke Spieler. Die Abgänge von Philipp und Grifo konnten natürlich nicht ersetzt werden. Nur das gute Pressing, die defensiven Stabilität, Standardstärke und ein sehr effektiver Petersen überdecken notdürftig die fehlende Passgenauigkeit im letzten Drittel.

Defensiv hat der Sportclub in der Rückrunde allerdings enorm an Stabilität gewonnen. Das Pressing ist ziemlich griffig und die Rückzugsbewegung nach Ballverlust sehr diszipliniert. Selbst die schnelle Leverkusener Konter nach Ecke wurden immer abgelaufen. Die größte defensive Schwäche entsteht durch das extreme Verschieben. Bei Spielverlagerungen zur ballfernen Seite ist man recht anfällig. Dies hat auch das Gegentor im Hinspiel von Caligiuri gezeigt, der durch einen Seitenwechsel freigespielt wurde.

Prognose

Die Probleme des SC Freiburg Tore aus dem Spiel heraus zu schießen sind recht groß. In der Rückrunde gelang das erst drei Mal. Zwar sind leichte Verbesserungen erkennbar und die Länderspielpause könnte einen positiven Effekt für die Dauerläufer des Sportclubs haben, aber die sehr gute Abwehr des FC Schalke 04 kommt wohl etwas zu früh. Besonders viele Torchancen, wie Freiburg sie im Hinspiel hatte, wird es nicht geben. Da Schalke anscheinend momentan aber auch mehr Energie auf das Tore-verhindern, als auf das Tore-schießen verwendet, könnte es ein sehr zähes Spiel werden. Ob sich dabei unbedingt die Mannschaft mit der größeren individuellen Klasse durchsetzen wird, muss man wohl abwarten.