Schalke ist die Macht und feiert eine königsblaue Party

Verdienter 2:0-Erfolgt gegen RB Leipzig

Der Unterschied zum gruseligen Start der  Vorsaison hätte nicht größer sein können: Zum Auftakt ringt der FC Schalke 04  die ungeliebten roten Bullen aus Leipzig mit einer tollen Mannschaftsleistung verdient mit 2:0 (1:0) nieder. Die 61.435 Fans tanzen glücklich den Schalkewalzer;  „Schalke ist der geilste Club der Welt!“ und „Heeeey, Schalke ist die Macht!“ sind das Gebot der Stunde. Susanne Hein-Reipen über ein Spiel, das Mut macht.

IMG_9822Die Vorfreude treibt zahlreiche Schalker schon früh auf das Berger Feld, wo noch um 16 Uhr der Trödelmarkt – „Verkaufsschluss 11 Uhr“, zumindest in der Theorie…- die Zufahrt zu den Parkplätzen D und E verstopft. Die nachfolgenden Regenschauer lassen sich prima unter einem Bierstand überleben. Glaskugeln („Watt meinze, watt gibt datt?“) und Kaffeesätze haben Hochkonjunktur.

In der Arena tobt dann das allgemeine Neue-Saison-Chaos, insbesondere die Schlangen an den Knappenkarten-Umtauschschaltern erreichen mehrere hundert Meter. Und wer kein neues Bezahlkärtchen braucht, beschnuppert das neue Mitglieds-Eck oder geht in den Fanshop, um sich im Klima einer Dampfsauna mit hunderten anderen Schalker mit Neuheiten und Schnäppchen einzudecken. Allgemeiner Tenor: „Endlich wieda Schalke, die Sommerpause war viel zu lang!“

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Im Innenraum prangt wieder das große „Gegründet von Kumpeln und Malochern“-Banner über der Nordkurve, auf der anderen Seite wird mit „02.09. U 23 gegen Chemie. Alle nach Leipzig!“ für das Spiel der Schalker U 23 geworben. Für ein Schmunzeln sorgt AllYouNeed: Der neue Ärmelsponsor wirbt per Flyer mit „Heute lecker Rindersteaks“. Das von Veltins auf der Mitgliederversammlung zur Feier der Vertragsverlängerung ausgelobte Freibier fließt in Strömen.

Mit dem Einlaufen der Mannschaften zum Warmmachen gibt es Pfiffe für die Gäste und hörbaren Applaus für den neuen Kapitän Ralf Fährmann. Die Gästekurve, pardon, das Gästekürvchen versucht sich an „Schei**e 04“, wird aber umgehend von der Nordkurve mit „Warum seid Ihr Hu*en so leise?“ niedergebrüllt und ist für den Rest des Abends akustisch tot.

IMG_9803Die Mannschaftsaufstellung – di Santo für Burgstaller, der sich im Freitagstraining eine Fußprellung zuzog, Meyer und Höwedes nur auf der Bank – wird mit ein paar Sorgenfalten zur Kenntnis genommen. Während mehrere von Schalke hilft! unterstützte Initiativen sich vorstellen, macht sich die Kurve mit dem neuen Song „Eine Stadt erstrahlt in Blau und Weiß“ warm. Für einen Lacher sorgt der gesichtslose Timo Werner beim Verlesen der Mannschaftsaufstellung der Gäste. Weil er beim MediaDay in Leipzig noch Urlaub hatte, liegt von ihm kein aktuelles Foto vor, lautstarke Vermutungen über die horizontale Beschäftigung seiner Mutter gibt es trotzdem. Die Schalker Mannschaftsaufstellung wird mit einem neuen Einspielfilm und neuem Design eingeleitet und im Rekordtempo absolviert. Die neue Soundanlage kann watt!!!

Zum Vereinslied und dem Einlaufen der Mannschaften erscheinen in der Nordkurve zwei große Spruchbänder „“Das Herz des Kumpels schlägt für Tradition“ und „….für Euch empfinden wir nur Spott und Hohn“, dazu werden ein überdimensionales weißes Herz und tausende blaue „Kumpel- und Malocherclub“-Embleme mit Förderturm hochgereckt. Danach wird es noch einmal für eine Minute totenstill, als sich die mit Trauerflor spielenden Mannschaften für eine Schweigeminute für die Terroropfer von Barcelona aufstellen.


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IMG_9791Mit der Stille ist es zum Anpfiff schlagartig vorbei, neben den obligatorischen gellenden Pfiffen bei jeder Ballberührung von Timo Werner ertönt sofort „Steht auf, wenn Ihr Schalker seid“ und eine Dauerschleife der Ruhrpottkanaken. „Wir sind die Faaaans vom S 04…“, ha, watt hat mir das gefehlt!!! Die Kurve lässt kaum eine Sekunde Pause im Support. Klassiker wie „Auf geht‘s Schalke schieß‘ ein Tor“ und der Schalke!!! – Nullvier!!!-Wechselgesang werden mit einer kleinen „Olé olé, Hu*ensöhne RB…“-Performance aufgelockert.

Auf dem Feld erweist sich die neuformierte Schalker Dreierkette mit Kehrer, Naldo und Nastasic nach den Anfangsminuten als nahezu unüberwindbares Bollwerk. Kehrer und Oczipka zeigen sich dabei ausgesprochen lauffreudig. Doch auch die Abwehr der Roten Bullen ist zunächst “auf Zack“, so dass zwingende Torchancen Mangelwäre bleiben.

Für einen großen Lacherfolg sorgt dann der Quatscher: Stadionsprecher Dirk sucht den Fahrer eines Autos, das mit laufendem Motor (!!!) und steckendem Schlüssel im Parkhaus (!!!) steht: „Hömma Kollege, ich weiß nicht, was mit dir los ist. Meld dich mal bei uns!“

IMG_9883Auf dem Rasen hat sich Schalke mittlerweile leichte Vorteile erkämpft, die ersten Chancen gehen ebenfalls aufs Konto der Königsblauen, doch Gulacsi lenkt den Distanzkracher des sehr präsenten Bentaleb mit einer Glanzparade über die Latte (28.), auch di Santo trifft nicht. An der Seitenlinie hebt der neue Chefcoach Domenico Tedesco den Begriff „aktives Coachen“ in eine neue Dimension, schreit, klatscht, feuert an und dirigiert ohne Pause. „Wenn der so weitermacht, beerbt er Schöpf als laufstärkster Schalker“ grient ein Fan vergnügt. „Jo, gegen den war das HB-Männchen tiefenentspannt“ kommentiert ein anderer das Temperament des Trainers.

Kurz vor der Pause ist Tedesco mit seiner Aufregung nicht mehr alleine: Upamecano rempelt di Santo im Strafraum von den Beinen, Schiedsrichter Felix Zwayer zeigt auf den Punkt. Den fälligen Elfer verwandelt Bentaleb mit einem trocken halbhohen Schuss zum umjubelten 1:0 (44.). Die Fans liegen sich überglücklich in den Armen, der Torschütze rast allen Gratulanten davon über das halbe Feld und hüpft seinem Kapitän Fährmann in die Arme. Blau und Weiß ein Leben lang…!

IMG_9890Mit entsprechender Bestlaune geht es in die Pause zum zweiten Ansturm auf die Freibiervorräte. Einhellige Meinung: „Sieht schwer nach Fußball aus, darf gerne so weitergehen!“  Am Mikro gibt derweil Fanbetreuer Kirsche einen kleinen Rückblick auf Trainingslager und Saisoneröffnung und wirbt für eine Infoveranstaltung zur Gedenkstättenfahrt: Interessierte junge Schalker sind am  29.8. herzlich in die Glückaufkampfbahn eingeladen. Zudem haben alle Karteninhaber des Spiels freien Eintritt zum Spiel der U 23 gegen Lippstadt am heutigen 20.8.

Nach dem Wiederanpfiff geht es sofort wieder richtig zur Sache: Forsberg kommt für Halstenberg, der starke Keita kassiert nach rüdem Einstieg gegen Harit gelb. Dabei feiert der umstrittene „Video-Assist“ seine Premiere auf Schalke.  Nunmehr kommt auch Leipzig zu den ersten Chancen, doch Forsberg und Keita finden in Fährmann ihren Meister.

Unterstützt durch „Auf geht‘s Blauweiß, holt euch den Sieg für uns“ und dem „Schaaa-la-la-laaa“-Wechgselgesang gelingt es den Hausherren nach der Anfangsviertelstunde, den Elan der Gäste wieder etwas zu deckeln. Das Spiel wogt hin und her, insbesondere die roten Bullen steigen dabei bisweilen recht hart ein, so dass Goretzka und Bentaleb kurz behandelt werden müssen. Der Algerier hatte zuvor einen Ball aus kurzer Distanz „aua, mitten inne Fresse“ bekommen. Ein zu Recht abgepfiffenes Abseitstor der Gäste wird wieder mit „Hu*ensöhne RB“ quittiert.

Reese darf für di Santo ran, der unter Applaus vom Platz humpelt und noch auf der Bank getaped wird. Kurze Zeit später flippt die Arena endgültig aus: Nach mustergültiger Vorarbeit von Neuzugang Harit startet Konoplyanka auf links durch und vollendet mit einem eleganten Rechtsschuss ins lange Eck. 2:0 (73.), jaaaaaaaa!

Überglückliche Nordkurve

Überglückliche Nordkurve

Die wunderbare Bude und die beruhigende Führung sind einen inbrünstigen „Mythos vom Schalker Markt“ wert. McKennie ersetzt Harit und feiert seine Arenapremiere. Ebenso wie Kehrer zeigt er eine tadellose Defensivleistung, Ralf Fährmann muss nur zweimal eingreifen. Die Nordkurve hat längst das gute Gefühl, dass hier nichts mehr anbrennt und feiert entsprechend mit „In der Nordkurve steh‘n, im Pappbecher Bier“, „Hier regiert der S 04!“, „Schalke ist der geilste Club der Weeeeelt“ und dem Schalkewalzer.

Max Meyer darf noch kurz für Kono ran, der einen dicken Applaus für seine Leistung und das tolle Tor kassiert. Die fünf Minuten Nachspielzeit stoßen zwar auf Unverständnis, verlängern aber die Party nur. Caligiuri hätte fast noch auf 3:0 erhöht, trifft aber das Lattenkreuz.

IMG_9978Dann ist es vorbei, alle liegen sich voller Erleichterung in den Armen! Beide Mannschaften bilden Kreise. Auf dem Videowürfel ist eindrucksvoll zu sehen, wie Tedesco wild gestikulierend zunächst mit ernster, dann begeisterter Miene auf die Mannschaft einbrüllt, die danach glücklich vor die erwartungsvolle Kurve geht. Und ab geht die Luzie: „Heyyyyy, Schalke ist die Macht, wir holen uns die Meisterschaft, das wäre doch gelacht…!“ Reese schmeißt strahlend sein Trikot in die Menge.

Allen Beteiligten ist klar, dass dies nur das erste von 34 Spielen war, aber der Auftakt war verdammt schön – und die geschlossene Mannschaftsleistung macht Mut, dass alle Schalker sich auf eine bessere Saison freuen dürfen als zuletzt. Glückauf!

Alle Fotos hier.

Zum Spielbericht.

3 Kommentare zu Schalke ist die Macht und feiert eine königsblaue Party

  1. Das hat Spaß gemacht 🙂 danke für die Berichterstattung Susanne, aber wieso das überflüssige „Huren“-Gemacker keine kritischen Beiwörter findet, versteh ich nicht. Finde ich schade so eine Entwicklung, wo ich die Schalker Kurve im Gegensatz zu so manch anderer recht gesund finde…

  2. Sooo mag ich das Lesen….fast als wenn ich da gewesen wäre.
    Toll geschrieben!!!

  3. Sehr GEiler Bericht, bitte mehr davon!

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