Schalke gegen Paok: Wie Verein und Polizei Ausschreitungen und Provokationen verhindern wollen

Ungewohnt sensibel gibt sich der FC Schalke 04 vor dem Europa-League-Rückspiel gegen Paok Saloniki: Der Vorstand des Vereins bittet seine Fans eindringlich, auf Provokationen gegenüber den griechischen Fans zu verzichten.

Eine Szene aus dem Champions-League-Qualifikationsspiel zwischen Schalke und Paok 2013.

Eine Szene aus dem Champions-League-Qualifikationsspiel zwischen Schalke und Paok 2013.

Der Hintergrund dürfte hinlänglich bekannt sein: Im Sommer 2013 traf der FC Schalke schon einmal auf Paok Saloniki. Im Heimspiel der Champions-League-Qualifikation stürmte die Polizei damals brutal die Nordkurve, um ein Banner der befreundeten mazedonischen Ultras aus Skopje zu entfernen. Die Saloniki-Fans sollten sich damals von dem gezeigten Symbol, der mazedonischen Sonne von Vergine, provoziert gefühlt haben. Die Bilanz damals: 87 verletzte Schalke-Fans, Ermittlungen gegen die Polizei eingestellt.

Letzte Woche kam es zum erneuten Aufeinandertreffen der beiden Clubs. Im Hinspiel am vergangenen Donnerstag in Thessaloniki zeigten sich die Gastgeber von ihrer wenig charmanten Seite, zeigten unter anderem ein auch im Fernsehen deutlich zu lesendes Banner mit der Aufschrift „Fucking Nazis get out of here“. Eine ziemliche Provokation. Doch während die deutsche Polizei in Gelsenkirchen 2013 Dutzende Schalke-Fans verprügelte, um ein provokantes Banner einzukassieren, interessierte das in Thessaloniki weder Polizei noch Vereinsführung.

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Schlimmer noch: Schalke-Fans sollen von der Polizei aus nichtigen Gründen Schläge kassiert haben, die Fans wurden vor, während und nach dem Spiel systematisch schikaniert.

Am Mittwoch sind die Griechen auf Schalke zu Gast. In Gelsenkirchen rechnet man mit rund 3.500 Paok-Anhängern und klassifiziert das Duell als Hochrisikospiel. Während die Profis von Trainer Markus Weinzierl nach dem 3:0 im Hinspiel vor einer lösbaren Aufgabe stehen, werden Ausschreitungen und gegenseitige Provokationen befürchtet.

Um die Wogen halbwegs zu glätten und das Schlimmste zu verhindern, sah sich der Vorstand des FC Schalke jetzt genötigt, einen offenen Brief an sein Fans zu schreiben.


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Provokationen sollen ein bestimmtes Verhalten erzwingen. Das einzige Verhalten, dass wir Schalker von den Gästen in unserer Arena erwarten, ist es, friedlich und gewaltfrei den Fußball in den Vordergrund zu stellen. Das hat mit Toleranz zu tun und mit Respekt – auf beiden Seiten! Als „Jetzt erst recht“-Aktion und Retourkutsche mit Fahnen zu provozieren, egal für wie legitim sie auch gehalten werden, wäre für uns als Verein ebenso wenig nachvollziehbar wie Gewalt oder Provokation seitens der Gäste. All das hat nichts mit Fußball zu tun.

Das hätte man so stehen lassen können. Trotzdem garniert der Vereinsvorstand seinen Wunsch mit einem deutlichen Wink mit dem Zaunpfahl und verweist auf laut Stadionordnung verbotene Gegenstände, genauer auf §5 Absatz r: „1. Besuchern, die sich im Geltungsbereich dieser Stadionordnung befinden, ist das Mitführen folgender Sachen untersagt: Mitführen von Fanutensilien, soweit diese zur Provokation anderer Fangruppen genutzt werden.“

Zu diesen Fangruppen gehörten auch die Fans von Paok. Gleichzeitig betont der Vorstand, dass die Stadionordnung zwingend bei allen Veranstaltungen einzuhalten sei. Weiter heißt es: „Der Ordnungsdienst ist daher angehalten, Gegenstände, die ausschließlich zum Zwecke der Provokation mitgeführt werden, nicht zuzulassen.“

Gemeint sein dürfte unter anderem der mazedonische Stern von Vergine, um den es auch 2013 ging. Zwar erfülle das Zeigen dieses Symbols keinen Straftatbestand, wie die Polizei Gelsenkirchen nach dem Einsatz in der Schalker Nordkurve nachträglich kleinlaut zugab, ist aber eben nicht mit der Stadionordnung kompatibel.

Die Polizei Gelsenkirchen teilte heute mit, man habe sich „intensiv auf diesen Großeinsatz vorbereitet. Bereits im Vorfeld haben wir umfangreiche präventive Aufklärungsarbeit bei den Anhängern des FC S04 und Paok Saloniki geleistet“, sagte ein Polizeisprecher. „Wir haben Fanbriefe in deutscher und griechischer Sprache verteilt, über die Medien und sozialen Netzwerke verbreitet, gepostet und Paok-Fanclubs in Düsseldorf und Dortmund besucht. Davon erhoffen wir uns, die Menschen zu informieren, zu sensibilisieren und zu einem friedlichen Fußballeinsatz beitragen zu können“, hieß es.

Zur Planung ließ die Polizei verlauten, dass sie entgegen der sonstigen Spiele mit mehreren Hundertschaften im Stadion stark vertreten sei. Dies ist notwendig, um entsprechend schnell Gefahren zu erkennen und bei Störungen konsequent eingreifen zu können. „Wir dulden keine Gewalt und keine rechtsfreien Räume. Gegen Gewalt- und Straftäter werden wir jederzeit entschlossen durchgreifen“, betonte der Sprecher. „Dem Eingreifen der Polizei muss jedoch nicht immer eine Straftat vorangegangen sein: auch drohende Gefahren können unser Einschreiten zwingend erforderlich machen.“

Der Brief der Polizei Gelsenkirchen an die Fans von Paok Saloniki:

Liebe Fußballfans von PAOK Saloniki,

Der FC Schalke 04 und die Gelsenkirchener Polizei heißen Sie zur Spielbegegnung FC Schalke 04 – PAOK Saloniki am 22.02.2017 in Gelsenkirchen herzlich willkommen. Wir bieten Ihnen die Innenstadt von Gelsenkirchen-Buer mit ihren zahlreichen Gaststätten und Restaurants als zentralen Treffpunkt an. Dort können Sie sich mit Ihren mitgereisten Freunden und Fan-Kollegen versammeln und auf die Begegnung am Abend einstimmen.
Sollten Sie mit Pkw oder Reisebussen nach Gelsenkirchen anreisen, ist der Parkplatz P7 an der Veltins-Arena für Sie vorgesehen. Von dort erreichen Sie auch die Innenstadt von Gelsenkirchen-Buer.

In der Innenstadt von Gelsenkirchen-Buer richten wir für Sie einen Service-Point ein, an dem Ihnen griechisch-sprechende Mitarbeiter für weitere Informationen zur Verfügung stehen.

Bei Fragen können Sie sich auch an die eingesetzten Polizeibeamten oder an die Hotline 0209 / 365-8888 wenden.

Wir wissen, dass die Unterstützung Ihrer Mannschaft im Stadion und eine eindrucksvolle Stimmung zu einem gelungenen Fußballspiel gehören.
Wir appellieren an Sie:
• Verhalten Sie sich friedlich und bleiben Sie sportlich!
• Unterstützen Sie die eigene Mannschaft lautstark und emotional, ohne andere zudiffamieren!
• Lassen Sie sich nicht provozieren und provozieren Sie nicht!
• Das Mitführen und Abbrennen von Pyrotechnik jeglicher Art ist in Deutschland verboten!Also unterlassen Sie dringend das Abbrennen von Pyrotechnik im gesamten Stadtgebietsowie im Stadion! Sie gefährden sich und unbeteiligte Personen!
• Distanzieren Sie sich von Gewalt und Gewalttätern!

Gewalt gehört nicht zum Fußball! Die Gelsenkirchener Polizei leistet ihren Beitrag für eine sichere Spielbegegnung und geht gegen jede Form von Gewalt vor. Straftaten und Verstöße gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung werden wir konsequent verfolgen.

Am Einsatztag können Sie über Facebook „Polizei NRW Gelsenkirchen“ und über Twitter „Polizei NRW GE“ aktuelle Informationen zur Anreise erfahren. Darüber hinaus können Sie auch Informationen rund um das Spiel über den Facebook-Account „FC Schalke 04“ bzw. den Twitter-Account „FC Schalke 04“ abrufen.

Wir wünschen Ihnen eine gute Anreise und einen schönen Aufenthalt in Gelsenkirchen.
Der FC Schalke 04 und Ihre Polizei Gelsenkirchen
[Quelle: Polizei Gelsenkirchen]

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Moritz Nolte ist Journalist und Blogger. Außerdem Vereinsmitglied und Dauerkartenbesitzer beim FC Schalke 04.

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