Pro und Kontra: Ist Sascha Riether eine gute Verpflichtung?

Der FC Schalke hat dem zuvor aussortierten Sascha Riether einen neuen Vertrag gegeben. Ein kluger Schachzug oder doch eher der Höhepunkt eines Transfer-Schlingerkurses?

sascha_riether_01Sascha Riether (l.) (hier im Training im Juli 2016) Bild: Schalke-News.de

Ende vergangener Saison wollte der FC Schalke den auslaufenden Vertrag von Sascha Riether nicht verlängern. Doch der Verteidiger ließ nicht locker und erreichte im September, dass er sich zumindest mit seinen ehemaligen Mannschaftskollegen auf Schalke fit halten durfte. „Er war sehr beharrlich“, sagte Trainer Domencio Tedesco.

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Am vergangenen Freitag gab der S04 nun bekannt, dass Riether mit sofortiger Wirkung einen Vertrag bis zum 30. Juni 2018 erhält. „Wir haben Sascha Anfang September die Teilnahme am Trainingsbetrieb ermöglicht, da er vereinslos war“, sagte Tedesco. „Er hat sich wie erwartet sehr gut integriert. Deshalb nehmen wir ihn nun gern dauerhaft dazu.“

Aber ist die Verpflichtung von Sascha Riether wirklich eine gute Idee?

PRO

(Schalke-News.de-Redakteur Timo Nowack)

Sascha Riether ist ein hervorragende Verpflichtung in diesem Moment für den S04. Denn durch den Abgang von Benni Höwedes und etliche angeschlagene Spieler in der Abwehr und im Mittelfeld (Bentaleb, McKennie, Nastasić, Schöpf, Coke, Insua) in den vergangenen Tagen und Wochen kann Schalke mit seinem schmalen Kader einen zusätzlichen Mann auf der Bank gut gebrauchen. Riether ist genau der Richtige dafür.

Er ist ein Musterprofi mit internationaler Erfahrung und einer vorbildlichen Einstellung, der aber auch nicht murrt, wenn er nicht zum Einsatz kommt. Das letzte Europa-League-Spiel des S04 in der vergangenen Saison gegen Ajax Amsterdam ist ein gutes Beispiel: Nachdem Thilo Kehrer im Hinspiel keine gute Figur gemacht hatte, setzte der Trainer im Rückspiel auf Riether. Viele Fans fragten sich, ob das eine gute Idee sei, da der Verteidiger zu diesem Zeitpunkt schon seit Monaten kein Pflichtspiel mehr absolviert hatte. Doch Riether machte das, was er gut kann: Er legte aus Nichts heraus über 112 Minuten eine gute Partie hin (Kicker-Note 2,5) und verschwand in den folgenden Spielen wieder auf der Bank, ohne sich zu beschweren.

Dazu kommt: Der 34-Jährige wird den S04 nicht viel Geld kosten und er muss sich nicht erst auf Schalke und in der Mannschaft einleben, sondern ist direkt da, kennt seine Mitspieler, redet mit Coke und Co. sogar Spanisch. Wer ihn auf dem Trainingsplatz erlebt hat, weiß, dass Riether auch bei Übungen vorangeht und jungen Spielern Ratschläge gibt. Was für eine bessere Ergänzung könnte man sich in diesem Moment bis zum Ende der Saison wünschen?

KONTRA

(Schalke-News.de-Redakteur Moritz Nolte)

Klar, Sascha Riether ist ein gestandener Fußball-Profi, der sich auf Schalke wohl kaum neu einleben muss. Dennoch wirft die (Wieder-)Verpflichtung mehr Fragen als Antworten auf.


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Zunächst stellt sich die Frage, ob Schalke auf der rechten Verteidigerposition überhaupt Verstärkung benötigt. In Domenico Tedescos 3-4-3 spielte bislang hauptsächlich Daniel Caligiuri auf der rechten Mittelfeld-/Abwehrseite. Und auch Thilo Kehrer kann diese Position spielen. Mit Coke hat Schalke einen rechten Verteidiger von internationalem Format, der zudem bereits mehrfach gezeigt hat, auch torgefährlich zu sein. Bislang kam der Spanier keine einzige Minute zum Einsatz. Wenn ein Mann wie Coke, immerhin mehrmaliger Europa-League-Gewinner und Ex-Kapitän des FC Sevilla, schon nicht spielt, wann soll ein Sascha Riether dann bitteschön spielen?

Die Verpflichtung Sascha Riethers muss zwangsläufig auch Fragen nach Schalkes Transferpolitik aufwerfen. Wenn man es böse formulieren will, ist der Riether-Transfer vorläufiger (?) Höhepunkt eines ziemlichen Schlingerkurses. Erst verlängert man Ende der vergangenen Saison Sascha Riethers Vertrag nicht, weil man ihm keine Einsatzzeiten zutraut. Es ist kein halbes Jahr her, als S04-Sportvorstand Christian Heidel sagte: „Wenn man sich die Personalsituation auf seiner Position anschaut, ist es so, dass die Wahrscheinlichkeit, dass Sascha dort zum Zug kommt, nicht allzu groß wäre.“ Nur fünf Monate später holt Heidel den Aussortierten zurück.

Zwischenzeitlich hatte sich Schalke von drei Rechtsverteidigern, Atsuto Uchida und den Talenten Phil Neumann und Luke Hemmerich, getrennt. Nachdem Schalke kurz vor Transferschluss noch Johannes Geis und Benedikt Höwedes abgab, den Kader somit auf eine gefährlich kleine Größe zusammenschrumpfte, hätte man auch den vielseitig einsetzbaren Luke Hemmerich anstelle Sascha Riethers halten können. Auf diese Weise hätte sich Tedesco insgesamt eine größere Flexibilität bewahren können – und das mit einem hungrigen Knappenschmiede-Talent.

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