Gelungener Sommerkick in Erkenschwick: Tedesco kam, sah und siegte

04 Wright-Treffer beim 9:1-Auftaktsieg

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Rund sieben Wochen und einen Trainerwechsel ist das letzte Spiel der Knappen her. 5.187 unter Schalke-Entzugserscheinungen leidende Fans nutzen deshalb den schwülen Samstagabend für einen Abstecher nach Oer-Erkenschwick.  Und sie werden nicht enttäuscht: Im altehrwürdigen Stimberg-Stadion gibt’s einen entspannten königsblauen Kantersieg über die heimische Spielvereinigung und obendrauf ein richtig gutes GEfühl.

Die Organisatoren des westfälischen Oberligisten ziehen wie bereits in der erfolgreichen A-Junioren-Endrunde 2012 wieder alle Register, damit sich die Gäste pudelwohl fühlen können: Die gesamte Stadt ist mit handgemachten Hinweisen auf den Park & Ride-Parkplatz zugepflastert, die Fahrer der Shuttlebusse sind ebenso freundlich und hilfsbereit wie die Ordner und Servicemitarbeiter im Stadion.

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„Catering“ ist hier noch ein Fremdwort, ebenso wie Dauer-Werbeberieselung. Als die Grills mit ein paar kleinen Anlaufschwierigkeiten laufen, gibt es Bier, Bratwurst und schweineleckere Nackensteaks. Punkt. Dazu marschiert zur Erheiterung der Schalker der örtliche Spielmannszug mit viel Tschingderrassabumm mehrfach ums Rund und die Jazztanzgruppe zeigt vor der Tribüne ihr Können. Die Lautsprecheranlage scheppert derweil „Blau und Weiß, wie lieb ich Dich“.

Die Fotografendichte hat allerdings europäisches Format, alle warten gespannt auf Domenico Tedesco und die Schalker Mannschaft. Amine Harit, der am Nachmittag den Medizintest absolviert hat, ist noch nicht dabei, Pablo Insua hingegen zeigt über 90 Minuten eine solide Leistung. Für eine Schrecksekunde beim Anhang sorgt Keeper Ralf Fährmann. „Hilfe, ist der Hildebrand zurück?!“ ächzt ein Schalker angesichts der erblondeten Timo-Frisur mit Haarband. Am Rande wird Maskottchen „Erwin Hooligan“ abgefeiert.

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Zum Anpfiff marschieren der Westfalenligist und der Bundesligist einträchtig mit Luftballons in den Vereinsfarben aufs Feld; ein schönes Bild, als diese in den Himmel über Erkenschwick steigen. Danach geht es auf dem Feld zur Sache:  Donis Avdijaj und Yevhen Konoplyanka sind sichtlich motiviert bis in die Haarspitzen, die für sie enttäuschende Vorsaison vergessen zu machen und sich beim neuen Coach für Einsätze zu empfehlen. Der junge Deutsch-Albaner erzielt dann auf Zuspiel des Ukrainers auch das erste Tor der Saison. Seine Flanke wird lang und länger und segelt am indisponierten Keeper der Erkenschwicker vorbei zum 1:0 ins Tor (8).

Die Treffer zwei (ein an ihm selbst verschuldeter Foulelfmeter in der 15. Minute) und drei (26.) besorgt Kono dann selber. Zwischendurch wird an der Seitenlinie noch ein Fotograf schmerzhaft vom Ball getroffen. Und Tedesco dirigiert, gestikuliert, ruft und winkt nahezu ununterbrochen von der Seitenlinie aufs Feld.

Gute Noten verdienen sich Naldo im Zentrum der Dreierkette und der junge Weston McKennie, der nach einigen Minuten die anfängliche Aufgeregtheit erfolgreich bekämpft und im Mittelfeld ackert. Nicht ganz zufrieden sind die Fans hingegen mit Franco di Santo, der mehrfach in die Abseitsfalle der Spielvereinigung tappt und sich kaum am guten Zusammenspiel von Avidijaj und Konoplyanka beteiligt. Beide haben noch das 4:0 auf dem Schlappen, Avdijaj trifft den Pfosten, Konoplyanka zielt knapp übers Tor.

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Kurz vor der Pause gibt es die erste Großchance für Erkenschwick, die Ecke landet jedoch am Außennetz. Allgemeines Halbzeitfazit: Natürlich darf man einen Test bei einem Sechstligisten nicht überbewerten, aber das sieht doch gar nicht so übel aus. Prost.


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Nach dem Pausenpfiff dürfen Nübel, Hemmerich, Wright, Reese, Tekpetey und Langzeitpatient Atsuto Uchida ran. Der Applaus und die Uschiiiiiiiiiiiiiiiii-Rufe steigern sich zum Orkan, als der sympathische Japaner in der 49. und 54. Minute das 4:0 und 5:0 erzielt. Wem wäre es mehr zu gönnen?

Danach schlägt die große Stunde von Haji Wright, ebenso wie McKennie und Hemmerich frisch von den A-Junioren aufgerückt. In nur fünfzehn Minuten schraubt er den Spielstand mit vier sehenswerten Treffern auf 9:0 hoch. „Das Scheibenschießen ist eröffnet!“ unkt der Stadionsprecher, „Hatschi!“ schallt es zurück. „Ist das jetzt ein Quattrick? Oder ein Quadrupel?“ grübelt ein Kuttenträger.

Der zehnte Treffer für ein zweistelliges Ergebnis will jedoch trotz der Einwechslung von Sydney Sam und guter Chancen für Reese und Wright nicht fallen, stattdessen gibt es den umjubelten Ehrentreffer für die SpVgg. Nübel kann zweimal abwehren, doch der dritte Schuss von Drepper zum 9:1-Endstand sitzt.

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Beim Trikottausch gibt es nur zufriedene Gesichter. Für die erste Trainingswoche und ohne zahlreiche designierte Stammspieler sah das Schalker Spiel gar nicht übel aus. Besonders erfreulich sind neben der Rückkehr von „Uschi“ die guten Leistungen von Wright und McKennie und die klare Leistungs- und Motivationssteigerung von Konoplyanka. Auch wenn der Gegner dieses Mal „nur“ sechstklassig war, dürfte Tedesco schon einige Fingerzeige erhalten haben, auf wen es sich zu setzen lohnt und wer sich eher unsichtbar macht. Zudem kehren in den kommenden Wochen mit Höwedes, Nastasic, Kehrer, Goretzka, Bentaleb, Burgstaller, Schöpf, Embolo und Meyer noch viele mutmaßliche Leistungsträger zurück.

Auch Domenico Tedesco, der nach dem Spiel noch von Trauben von Autogrammjägern umlagert wird, lobt: „Die Jungs haben nach einer intensiven Trainingswoche alles gegeben, alles reingehauen. Das war mir sehr wichtig. …Die Mannschaft hat sich vorbildlich an den Plan gehalten. Das ist in solchen Partien mit zunehmender Spielzeit gar nicht so einfach, da kann man auch mal in gewisse Muster verfallen, zum Beispiel Solo-Dribblings ansetzen. Das war aber nicht der Fall. Wir haben es 90 Minuten lang sehr seriös gemacht.“

Die Schalker Fans dürfen sich auf die kommenden Wochen freuen!

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