Analyse: Mit Rückenwind gegen Manndeckung – der Dezember auf Schalke

Sechs Punkte aus vier Spielen und ein Weiterkommen im Pokal – das ist die Ausbeute der Knappen im Dezember. Da Domenico Tedesco jedoch immer wieder betont, dass Ergebnisse nicht aussagekräftig sind, möchten wir heute ein bisschen genauer auf das Wie schauen. Die Analyse im Dezember – von Köln bis Köln.

Bastian-Oczipka-Frankfurt

Gefühlt hat Schalke diesen Monat vor allem gegen Köln gespielt. Das liegt nicht nur daran, dass man am Anfang und Ende des Monats auf die Domstädter traf, sondern auch an der Spielweise der anderen Gegner. Beim 2:2 am 14. Spieltag eröffnete Peter Stöger den Manndeckungs-Monat.

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Schon seitdem Jens Keller Trainer war, hat Schalke eine besondere Schwäche: tiefstehende Teams mit Mannorientierung. Und gerade diese Taktik erlebt diese Saison ein kleines „revival“, was schon manchen Trainer zur Verzweiflung (und einen gewissen Trainer zurück nach Holland) trieb. Wenig verwunderlich war es also, dass Köln, Augsburg und in weiten Teilen auch Frankfurt sich für diese Ausrichtung entschieden. Gerade Augsburg hat mit dieser Taktik eine starke Saison gespielt.

Tedesco musste also nicht weniger tun, als das Schalker Grundproblem zu lösen. Und dabei wurden ihm auch noch Steine in den Weg gelegt:

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Generell kann man sagen, dass man gegen eine Raumorientierung, bei der der Gegner versucht, das Spielfeld eng zu machen und Überzahl in Ballnähe zu erzeugen, versuchen muss, das Spiel breit zu machen. Gegen eine Mannorientierung hingegen sind lange Passwege und Verlagerungen gefährlich. Das adäquate Mittel (und der Hauptgrund dafür, warum gegen Bayern eben auch eine Manndeckung nichts bringt) ist das Kurzpassspiel. Nun fielen aber Spieler wie Goretzka und Bentaleb aus, die mit ihren Vorstößen oft enge Passstafetten in die Spitze eröffneten. McKennie, di Santo, Caligiuri, Konoplyanka und Oczipka würden das Tiki-Taka wohl nicht ganz oben in ihr Portfolio schreiben.

Umso wichtiger war es, dass Embolo und Schöpf langsam wieder in Form kamen, obwohl sie natürlich noch keine 90 Minuten spielen konnten. Den Mangel an adäquaten Spielern für ein Kurzpassspiel versuchte Tedesco also taktisch wettzumachen. Das Schalker Pentagon agierte sehr flexibel, immer wieder wurden Positionen getauscht, oft nicht nur diagonal, sondern auch vertikal. Zudem rückte mit fortschreitender Zeit immer häufiger ein Verteidiger auf, um den Offensivspielern mehr Freiheiten zu geben. Im Pokalspiel gegen Köln stand Naldo oft sogar vor der Mittellinie, gegen Frankfurt erzielte er so den späten Ausgleich. Die Grundformation wurde von Spiel zu Spiel und manchmal auch währenddessen gewechselt. Kurze Zeit agierte Schalke sogar mit Viererkette, womit der Cheftrainer sein höchstes Ziel wohl erreichte: den Gegner zu überraschen.

Mit weiteren kleinen Anpassungen an den jeweiligen Gegner ging also wieder keines der Spiele verloren. Klar, mit Barcelona kann man die Knappen wohl nicht vergleichen. Aber nach diesen Spielen noch davon zu sprechen, dass Schalke nicht gegen Manndeckung spielen kann, wäre verfehlt.

Schalke lernt dazu – und verlernt dabei nicht, was es stark gemacht hat. Gegen Mönchengladbach, die wohl stärkste Kontermannschaft dieser Saison, ließen die Knappen kaum Chancen zu und hatten am Ende noch den Sieg vor Augen. Denn das hatte Tedesco schon zu Beginn geschafft: Schalke hat mit nur 15 zugelassenen Torschüssen nach Kontern den besten Wert der Liga.