Was die Schalker über RB Leipzig wissen müssen

Auf geht’s zum Tabellenführer nach Leipzig! Warum die S04-Fans im RB-Stadion einen Vorteil haben, auf welche Spieler die Schalker besonders achten müssen und was für ein Problem die Leipziger mit Ralf Rangnick haben, erfahrt ihr in unserem Interview.

Seit dem Amtsantritt von Ralf Rangnick 2012 begleitet der Sportjournalist Ullrich Kroemer RB Leipzig. Er berichtet über den Verein für die „Mitteldeutsche Zeitung“ und sein Buch „Aufstieg ohne Grenzen“ lobte „11 Freunde“ als „sachlich und ausgewogen“. Vor dem ersten Bundesligaspiel des FC Schalke 04 in Leipzig (Samstag, 18.30 Uhr), haben wir dem Experten ein paar Fragen gestellt.

Benni Höwedes und Naby Keïta.

Benni Höwedes und Naby Keïta.

Schalke-News: Die Schalke-Fans reisen zum ersten Mal zu einem Bundesliga-Spiel zu RB-Leipzig. Was müssen Sie über Stadt und Stadion wissen?
Ullrich Kroemer: Das Stadion liegt relativ nahe an der Innenstadt. Vom Bahnhof läuft man etwa 20 Minuten. Im Stadion sind im Sektor D Trikots der Gast-Mannschaft verboten, wie ja seit dem Dortmund-Spiel bekannt sein sollte. Der Gäste-Fanblock im Sektor C besteht aus Unter- und Oberrang. Der Block, in dem die Leipziger Ultras stehen, nur aus Unterrang. Wenn der Gegner wirklich viele Fans mitbringt, können die so fast eine bessere Stimmung entfalten als die Leipziger, weil ihr Block wuchtiger wirkt.

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Wer steht auf der Gegenseite? Wie groß ist der harte Kern der Fan-Szene?
Im Sektor B stehen rund 6000 bis 7000 RB-Fans, davon ein paar hundert Ultras. Treibend sind die „Rasenballisten“ und die „Red Aces“. Insgesamt hat RB knapp 80 Fan-Clubs in denen etwa 8000 Leute organisiert sind.

RB ist ein Marketing-Konstrukt und so werden die Fans betrachtet. Zurecht?
Der Sponsor war zuerst da, dann der Club. Somit ist die Marketingstrategie aufgegangen, das stimmt schon. Aber ich glaube, dass man den RB-Fans ein wenig Unrecht tut. Die wollen einfach Bundesliga-Fußball in Leipzig sehen und nehmen dafür hin, dass das von Red Bull finanziert wird. Aber sie füllen das mit anderem Leben. So stehen zum Beispiel bei Choreos fast immer Stadt und Stadion im Mittelpunkt. Und es gibt auch durchaus Fans, die trotz fehlender Mitbestimmungsrechte versuchen, bei RBL Einfluss nehmen – etwa bei fanpolitischen Fragen auch mit Erfolg. Viele RB-Fans waren früher Anhänger von Lok Leipzig und BSG Chemie Leipzig, hatten aber irgendwann keine Lust mehr auf jahrelange Querelen und Gewalt.


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Ein besonderes Spiel wird es für Ralf Rangnick, der zweimal S04-Trainer war.
Ja, und ich habe den Eindruck, dass Rangnick die Zeit in guter Erinnerung hat und auch ein gutes Verhältnis zu Schalke pflegt. Das Verhältnis zwischen ihm und den RB-Fans ist dagegen noch immer etwas unterkühlt. Die mochten einige seiner Aktionen nicht. Zum Beispiel hat er Marcel Sabitzer, der nicht innerhalb Österreichs wechseln durfte, von Rapid Wien zu RB Leipzig geholt und dann direkt an Red Bull Salzburg verliehen. Dieser Trick kam nicht gut an. Auf der anderen Seite schätzen sie seine Akribie und seinen Erfolg.

Worauf muss Schalke sportlich im Spiel gegen Leipzig achten?
Auf die defensiven Mittelfeldspieler, auf Demme und auf den sehr starken Keïta. Leipzig greift nicht mehr so hoch an, sie lassen den Gegner mitspielen, aber die letzte Reihe ist ganz schwer zu überspielen. Die Zweitligisten in der vergangenen Saison haben das besser gemacht als viele Bundesliga-Clubs zurzeit: Sie haben sich hinten reingestellt und RB kommen lassen. Damit hatte Leipzig Probleme. Die Mannschaften, die versucht haben, mitzuspielen, sind gescheitert.

Gab es in der Bundesliga ein Schlüsselerlebnis für den Erfolg von RB?
Der Sieg gegen den BVB, das war das Schlüsselspiel. Der hat ihnen gezeigt, dass sie auch gegen die Großen in der Liga gewinnen können, und das hat unglaublich viel Selbstbewusstsein gegeben.

Wie siehst du Schalke zurzeit?
Schalke ist in dieser Saison neben dem BVB sicher der gefährlichste Heimgegner für RB. Das wird eine richtig harte Nuss. Nicht ausgeschlossen, dass Leipzigs Serie gegen den S04 reißt. In jedem Fall müssen die Schalker bis zum Ende aufpassen: Gegen Dortmund und Leverkusen dachte man, in der Schlussviertelstunde könnten die etablierten Clubs noch eine Schippe drauflegen, aber es war genau anders herum.

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