Leroy Sané und der FC Bayern: Wie es einige Medien mit der Wahrheit nicht so genau nehmen

Nein, viel Fantasie braucht es nicht, um sich vorzustellen, dass ein 19-jähriges Offensivtalent, das seine Gegner immer wieder spektakulär auszutanzen weiß und das in der ersten vollen Saison 14 Scorer-Punkte sammeln konnte, auf dem Zettel einiger Top-Mannschaften stehen könnte. Im Falle von Leroy Sané sollen das der FC Barcelona, Champions League-Gewinner Real Madrid, Manchester City, Manchester United und der FC Bayern sein. Mindestens.

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Leroy Sané. Bild: Alexandra Beier/Bongarts/Getty Images

Der Kampf um junge Talente ist nicht erst seit dieser Saison in vollem Gange. Seit Jahren schon scannen die immer größer werdenden Scouting-Abteilungen der Profi-Clubs systematisch jedes auch nur halbwegs interessante Talent. Insofern ist es wohl kein Wunder, dass die Scouts der oben genannten Clubs auch einen wie Leroy Sané beobachten.

Dass es viele Medien gerade in der Transferzeit nicht so genau nehmen mit Informationen wissen wir nicht erst seit Max Meyer (siehe hierzu unser Artikel „Wie Transfer-Gerüchte entstehen – am Beispiel von Max Meyer„). Jetzt macht mal wieder eine Meldung die Runde, die schlicht nicht der Wahrheit entspricht.

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Goal.com und Spox.com schreiben heute unter Bezugnahme auf einen Artikel aus dem Kicker, dass Leroy Sané eine Ausstiegsklausel in seinem Vertrag habe und dass die Bayern „im kommenden Jahr zuschlagen werden“. Nix Konjunktiv, „könnten zuschlagen“, nein, Bayern wird Leroy Sané im nächsten Jahr verpflichten.

Was passiert, ist klar: Schwupps landen diese Meldungen ungeprüft auf vielen Schalke-Fanseiten bei Facebook, in diversen Foren und sicherlich auch in weiteren vermeintlichen „Qualitätsmedien“ – und sorgen für Unruhe.

Ein wenig Recherche ergibt: Über eine (mögliche) Ausstiegsklausel war Anfang des Jahres bereits umfangreich diskutiert worden. Wie der Kicker in besagtem Artikel berichtet, soll es eine geben – und zwar ab nächstem Sommer: Dann soll Sané den FC Schalke 04 für eine festgeschriebene Summe verlassen können. Diese erlaube Leroy Sané (Zitat) „angeblich für 35 Millionen Euro“ wechseln zu können.


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Nur: Dass die Bayern wirklich „zuschlagen werden“, davon ist in dem Artikel, auf den sich die genannten Online-Portale (angeblich) beziehen, keine Rede. Laut Kicker sollen der Berater von Leroy Sané und die Bayern zwar im Austausch stehen, und zumindest in diesem Jahr ist der 19-Jährige keine Option – in der nächsten Saison könnte Sané aber interessant für die Bayern werden. Im Wortlaut schreibt der Kicker:

„Im kommenden Jahr hingegen wäre Sané ein höchst interessanter Kandidat für den FC Bayern. Dann würde er weniger kosten, dank einer Ausstiegsklausel, die ihm einen vorzeitigen Ausstieg aus dem bis 2019 gültigen Arbeitsverhältnis erlaubt, angeblich für 35 Millionen Euro. In diesem Sommer ist die Ablösesumme für den flinken Offensivdribbler frei verhandelbar und damit viel höher.“

Der Kicker nutzt also bewusst den Konjuktiv. Daraus abzuleiten, dass die Bayern im nächsten Jahr „zuschlagen werden“, dazu gehört gehört schon jede Menge Fantasie. Oder schlicht Ignoranz…

Über Redaktion (1086 Artikel)
Moritz Nolte ist Journalist und Blogger. Außerdem Vereinsmitglied und Dauerkartenbesitzer beim FC Schalke 04.

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