Die schwarz-rot-geile Verweigerung 2016

Es ist mal wieder soweit. Ein großes Turnier steht vor der Tür. Mit „Die Mannschaft“. Hach! Ich spüre jetzt schon die Gänsehaut. Ich spüre jetzt schon das Kribbeln.

KolumneGänsehaut, weil es mich beim Gedanken an den ganzen Scheiß im Komplettpaket, der sich die nächsten Wochen über dieses Land ergießen wird schon schüttelt. Und Kribbeln von dem aus Ekel resultierenden Herpesbläschen.

Ja. Ich Affe. Es ist wahr: Mir ist das Abschneiden der deutschen Mannschaft schnuppe mit tendenziell sogar ausgeprägter Tendenz zu heimlicher Freude, wenn sie auf die Nase fällt und den Boulevard in Staatstrauer treibt.

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Und jetzt höre ich schon den Mistgabel- und Fackelschwung der schlandschen Stimmungsblockwarte. Warum? Warum diese Meinung? Bin ich auf der Vera Int-Veen-Charakterquasimodo-Skala so weit oben anzusiedeln? Verbittert wie Kevin Großkreutz nach dem gescheiterten Versuch, das Pixi-Buch „Bobo ist krank“ zu lesen? Spaßbremse, Freudenallergiker, Arschloch?

Kann sein.

Mir widerstrebt es erst mal, eine Mannschaft zu unterstützen, die in großen Teilen aus Spielern von Bundesligamannschaften besteht, denen ich aufgrund des blau-weißen Gens eher unterkühlt gegenüberstehe. Oder anders ausgedrückt: Selbst im Adlergewand bleibt der Esel ein Esel. Club not Country als Mantra. Eine Mannschaft unter den Fittichen eines Trainers, der mir trotz aller Erfolge einfach weiterhin „högschd“ unsympathisch ist, trotz aller medial-clever genutzten Inszenierungen seiner Person. Und dann noch der DFB……

Doch ist das die Wurzel für eine derartige Antipathie? Nein. Es ist dieses ganze Drumherum. 2006 wurde endgültig die Büchse der Pandora aufgebrochen. Das Theater, Spektakel, der Hype und die daraus resultierenden Konsequenzen werden nun immer einnehmender.

Dabei potenziert das Gewese um die Nationalmannschaft und die EM nochmal alles, was mich schon länger aber immer intensiver am Profifußball stört und diesem wundervollen Sport viel von seiner Magie bereits geraubt hat.

Keine Sekunde, die nicht vergeht ohne mit der Nase darauf gestoßen zu werden, dass bald EM ist. Supermarkt, Tankstelle, Bank, Bahn, Nachrichten. Überall die Köpfe der Nationalspieler. Schwarz-rot-goldener Tinnefklimbim zum Verschandeln jeder Messiwohnung. Ein surrealer Nightmare on Elf-Street.

Ich warte auf den Tag, an dem eine Newstickermeldung verkündet, dass Mats Hummels Kackwurst beim morgendlichen Lokusbesuch entgegen dem Uhrzeigersinn eingekringelt war inklusiver entsprechender Analyse hinsichtlich der Konsequenzen für die EM.

Apropos Mats Hummels. Gebe ja zu. Trotz seiner extremst beschämenden Vereinsvita ja irgendwie ein sympathischer Kerl. Nur was bringt die EM jetzt auch wieder mit sich? Richtig! Der kleingeistigen Laber-Urin aus dem Fremdschämkatheter seiner Ollen wird wieder unvermeidbar ins Schlampen..tschuldigung T9…Rampenlicht rücken. Cathy Hummels. Eine Braut, die selbst das Phantasiereißbrett des Teufels für potentielle Menschheitsplagen sprengt. Hat nun ein Fanshirt designed. Because of Charity, you know? Hat ihren Lappen selbst mit den Worten gepriesen: „Lässig, einzigartig, très chic!“ Klar, beim Lesen kann sowas nun schon zu Lochfraß in der Großhirnrinde und der Frage führen: Häh? Was hat das jetzt mit dem Thema zu tun?

Daher festhalten: Darüber gibt es Berichte. In den Medien! Zum Lesen! Zum Gucken! Versteht jetzt wenigstens jemand, wie krank das alles ist?

Und das ist nur eines von tausendfachen Beispielen, die vor, während und nach der EM über jeden herfallen, wie sonst nur eher GMILF-ige Kegelschwestern auf Saisonfahrt im Sauerlandstern über männliches Frischfleisch.


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Natürlich ist diese Mannschaft nicht auf meine Unterstützung oder die anderer Verweigerer angewiesen. Denn die gibt es ja von dem im DFB-Reagenzglas konzipierten „Fanclub Nationalmannschaft“, in dem alle nicht so fußballaffinen Erlebnishascher ihren Eventfetisch ausleben können. Powered by klebrig-braunem Blubberwasser und lobotomisiert durch das Schwarz und Weiß-Gejaule des grausamen Pocher Olis.

Auch gibt es die tausendfache Unterstützung von normalerweise ganzjährigen Fußballverweigerern und –innen. Wahrscheinlich eine der perfidesten Gruppierungen. Diese Nachbarn, Arbeitskollegen oder Vorgesetzten, die urplötzlich meinen, einen in Gespräche zum Thema Fußball verwickeln zu wollen. Was sich dann für einen selbst eher anfühlt wie verbales Waterboarding. Früher wollten sich die gleichen Leute vor Ekel idealerweise direkt Sagrotan intravenös verabreichen, wenn sie nur erfahren haben, dass man Fußballfan ist. Heute aber den großen Zambrano geben wollen. Furchtbar.

Dann die komasaufenden Jugendlichen auf Public-Viewing Veranstaltungen. Schon vor Anstoß kratzt die inflationär konsumierte Mischung aus vergewaltigtem Bier beziehungsweise Biermixgetränken rückwärts am Gaumen der designierten Generationsvertragskündiger. Oder diese possierlichen Teenies mit von Zahnspangen forcierten Ausrufen a la „Schweiniiii ist soooooo süß“, die derartiges vorzugsweise in die Mikrofone privater Beklopptenfernsehsender bölken, um für Satisfikation an den Fliesentischen dieser Nation zu sorgen. Abermillionen Selfies von deutschlandfahnengeschminkten Hula-Hula-Kettenträgern vor Grillgut und Beamer auf ihren Bierzeltgarnituren. Schwarz-rot-geile Renault-Twingo-Besitzer mit auf der Autobahn abfallenden Seitenscheiben-Deutschland-Fähnchen und allen sonstigen seltsamen Phänomenen, die zum Fußball passen, wie Boko Haram als Showtanztruppe auf dem Menschenrechtsball.

Ich möchte dann einfach nur so weit im Strahl und V-Stil kotzen, wie Sven Hannawald einst auf der Vierschanzentournee flog. Ziiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiieh!

Ja, mich interessiert trotzdem die Europameisterschaft…aus reinem Fußballinteresse für das Spiel an sich. Die 90 Minuten auf dem Feld. Egal, wer dann spielt. Nicht die Party, das Event…..der Scheiß.


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