WDR-Reportage: „Gravierende Sicherheitslücken beim Ordnungsdienst von Schalke 04“ [Update]

Update 27.01.2015, 12.20 Uhr: Die Firma Securitas hat sich mit einer Stellungnahme gegenüber Schalke-News.de geäußert. Bernd Weiler, Leiter Kommunikation und Marketing:

„Die WDR-Sendung „sport inside“ vom 26. Januar 2015 hat in ihrem Beitrag zur Stadionsicherheit einseitig, überzogen und tendenziös berichtet. Die Sicherheit in der VELTINS-Arena hat Securitas im Rahmen seines Auftrags zu jeder Zeit gewährleistet. Unsere Regeln haben gegriffen: Der eingeschleuste freie Redakteur war – obwohl er sich mehrfach anbot – nicht im Stadion oder Gästeeingang eingesetzt worden, sondern an einer nicht sicherheitsrelevanten Einfahrt, die bei Risikospielen – außer für die Durchfahrt von Rettungskräften – generell verschlossen bleibt.  Für solche Servicetätigkeiten ist keine Qualifizierung  notwendig oder vorgeschrieben. Dennoch ist beabsichtigt,  über den geforderten Rahmen hinaus, alle unsere Ordner zu schulen. Seit Übernahme des Auftrags zum Saisonbeginn 2014/15 haben wir am Standort Schalke über 770 Mitarbeiter  durch ein IHK-Unterrichtungsverfahren oder eine DFB-Schulung ausgebildet und damit mehr als 80.000 Euro investiert. Im Rahmen unseres stetigen Qualitätsmanagements werden wir die Ausbildung fortsetzen, unsere Prozesse laufend prüfen und optimieren.

Nach wie vor differenzieren wir, ob unsere Mitarbeiter Sicherheits- oder Servicesaufgaben wahrnehmen, für die sie die entsprechende Qualifikation erhalten. Die in dem WDR-Beitrag aufgestellte Behauptung, eine beobachtete Einweisung in die Personenkontrolle sei für die Mitarbeiter die erste Einweisung gewesen, ist falsch. Richtig ist,  dass es sich hierbei um das typische vor jeder Veranstaltung erforderliche Ordnerbriefing durch unsere Abschnittleiter handelt. Grundsätzlich erfolgt bei uns eine Überprüfung der Zuverlässigkeit jeder Sicherheits- und Ordnungskraft nach den Richtlinien des DFB.“

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Update 27.01.2015, 12.10 Uhr: Die Reportage ist online. [Klick]

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Update 27.01.2015, 12.00 Uhr: Nach der vollmundigen WDR-Ankündigung musste man einen regelrechten Skandal erwarten. „Gravierende Sicherheitslücken“, „zahlreiche erhebliche Verstöße“ des Schalker Sicherheitsdienstleisters Securitas in „hochsensiblen“ Bereichen und gar ein Innenminister Ralf Jäger, der sich genötigt sah Stellung zu beziehen und kopfschüttelnd die vermeintlich erheblichen Sicherheitsmängel zu kommentieren. Sicherlich hat sich Securitas nicht mit Ruhm bekleckert. Und sicherlich tut das Unternehmen gut daran, weiter an sich und der Ausbildung seiner Mitarbeiter zu arbeiten. Aber mit dem zu befürchtenden Skandal konnte die Reportage nicht aufwarten.

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Eine Reportage des WDR sorgt bereits vor ihrer Ausstrahlung für Wirbel. Wie der WDR heute Nachmittag in einer Pressemeldung mitteilte, sollen beim FC Schalke 04 „die Auflagen der Deutschen Fußball-Liga (DFL) und die Absprachen mit den Innenministern im Rahmen des Sicherheitskonzeptes und des Lizenzantrages offenbar massiv missachtet“ worden sein. Das sei das Ergebnis von Recherchen des WDR-Hintergrundmagazins „sport inside“.

WDRDas Magazin „sport inside“ will in seiner Sendung am heutigen Montag, den 26. Januar (WDR Fernsehen, 22.45 Uhr) zeigen, wie es einem WDR-Reporter gelang, bei einer als Risikospiel eingestuften Bundesligabegegnung zahlreiche erhebliche Verstöße zu dokumentieren. Bei Schalke 04 wird der Ordnungsdienst erst seit Saisonbeginn von „Securitas“ organisiert, dem größten deutschen Sicherheitsdienstleister.

Bei diesem hatte sich der WDR-Reporter verdeckt als Ordner beworben und wurde kurzfristig eingesetzt – offenbar ohne die erforderliche zehnstündige Schulung und ohne Einweisung in seine Aufgaben erhalten zu haben. Der „sport inside“-Beitrag soll zeigen, wie der Reporter ohne jegliche Identitätskontrolle in das Stadion gelangt und mit anderen ebenfalls offenbar ungeschulten Ordnern an der Zufahrt für die Rettungsdienste tätig ist. „Zahlreiche weitere Verstöße der Sicherheitsfirma Securitas in hochsensiblen Bereichen wie dem Einlass für die Gästefans“ sollen gezeigt werden.

NRW-Innenminister Ralf Jäger kündigt in dem Beitrag laut WDR umgehende Konsequenzen an: „Der Verein muss die Sicherheit für die Fans für die Zuschauer im Fußballspiel im Stadion gewährleisten. Und wir haben klare Vereinbarungen, wie dies zu geschehen hat. Und polizeiliche Unterstützung stellen wir gerne zur Verfügung. Aber nicht Vereinen, die sich an solche Auflagen nicht halten.“

Der NRW-Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Arnold Plickert sagt in dem WDR-Bericht dazu: „Es ist absolut fahrlässig. Muss man sagen. Der Einlassbereich beim Gästespiel ist ein ganz neuralgischer Punkt und da geht man fahrlässig mit der Sicherheit um. Aber auch fahrlässig mit den Leuten, die man da einsetzt, weil es da am gefährlichsten ist.“

Weiterhin heißt es in der Pressemeldung des WDR:

Das Unternehmen Securitas, das sich als Deutschland größter Sicherheitsdienstleister bezeichnet und auch in anderen Stadien tätig ist, lehnte ein Interview mit dem WDR ab. In einer schriftlichen Stellungnahme heißt es: „Dass sich bei der Übernahme eines Auftrages dieser Größenordnung und des engen Zeitrahmens vorübergehend Abweichungen von Standardprozessen ergeben können, ist kaum vermeidbar.“

Der verantwortliche Verein Schalke 04, der die korrekte Durchführung der Sicherheitsrichtlinien auch in seinem Lizenzantrag bestätigt hat, nahm gegenüber dem WDR ebenfalls nur schriftlich Stellung und schreibt zusammenfassend:

„Die Sicherheit in der Veltins-Arena und unsere durchgeführten Schulungen sind bundesweit auf einem sehr hohen Stand, der nur in wenigen Stadien zu finden ist.“

Verein und Unternehmen geben gleichlautend an, dass bisher 700 Ordner entsprechend den Richtlinien geschult worden seien. Bei dem im sport inside-Beitrag erwähnten Risikospiel waren nach Angaben von Securitas 900 Ordner im Einsatz.

In dem sport inside-Beitrag kommt auch ein Ordner zu Wort, der sich erst kurz vor der Ausstrahlung meldete. Dieser gibt an, auch in einem Champions-League-Spiel von Schalke 04 ohne Schulung eingesetzt worden zu sein – und zwar im Innenraum des Stadions, in dem nur besonders qualifizierte Ordner eingesetzt werden dürfen.

Bereits vor gut einem Jahr hatte sport inside bei Borussia Dortmund gravierende Sicherheitsmängel im Ordnungsdienst aufgedeckt.


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Schalke-News.de hat bereits Stellungnahmen bei Schalke 04 und Securitas angefragt.

Über Redaktion (1091 Artikel)
Moritz Nolte ist Journalist und Blogger. Außerdem Vereinsmitglied und Dauerkartenbesitzer beim FC Schalke 04.

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