Gewaltbereite Bayern- und Bochum-Fans greifen Schalker an [UPDATE]

Update 25.11.2015, 15.00 Uhr

Die Vermutungen haben sich bestätigt. Wie „Sueddeutsche.de“ unter Berufung auf Polizeiangaben berichtet, steckt offenbar die Münchner Ultra-Gruppierung „Schickeria München“ hinter dem feigen Angriff auf friedliche Schalke-Fans vergangenen Samstag. Man habe inzwischen die Personalien von 111 der insgesamt 196 Festgenommenen abgeglichen, „und der ganz überwiegende Teil ist der Schickeria zuzuordnen“, sagte Klaus Röschinger, Leiter der Abteilung „Szenekundige Beamte“ bei der Münchner Polizei, der Zeitung. Wie Sueddeutsche.de weiter berichtet, seien nach bisherigem Kenntnisstand der Münchner Polizei „nur eine Handvoll Bochumer“ an dem Angriff beteiligt gewesen.

Update 23.11.2015, 9.30 Uhr

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Der VfL Bochum sah sich gezwungen, seinerseits eine Stellungnahme zu den Ausschreitungen von Samstag abzugeben. Man habe „mit großer Betroffenheit die Vorfälle rund um das Heimspiel des FC Schalke 04 gegen den FC Bayern München zur Kenntnis genommen, bei denen auch Täter involviert gewesen sein sollen, die angeblich VfL-Anhänger sind. Im Namen der Vorstände Wilken Engelbracht und Christian Hochstätter distanziert sich der VfL Bochum 1848 zu jeder Zeit zu jeder Form von Gewalt, die im Sport und dessen Umfeld nicht zu tolerieren ist.“

Und weiter: „Sollte sich (…) herausstellen, dass so genannte VfL-Fans – unserer Meinung nach sind es keine, denn sie schaden dem Verein und seinem Ansehen massiv – unter den Tätern waren, wird der VfL Bochum 1848 unverzüglich rechtliche Schritte einleiten und entsprechende Maßnahmen ergreifen.“

Eine weitere Stellungnahme kommt von der offenbar Ultra-nahen Facebook-Fanseite „Südkurve München – Meine Religion“. Darin heißt es, man solle „keine eigenen Vermutungen“ anstellen und „am besten gar nicht auf die Presse“ hören, „da kommen nur noch mehr Falschmeldungen raus“. Weiter heißt es: „Es sind 200 Bayern Ultras mit Unterstützung unserer Bochumer Freunde hinter die Nordkurve gelangt, um den Gelsenkirchnern und deren rot-schwarzen Freunden mal Hallo zu sagen“.

Dabei bemerkten die Bayern-Chaoten Überraschendes: „Da in der Nordkurve eine deutlich höhere Anzahl an Leuten war, musste nach einem kurzen Schlagabtausch zum Rückzug geblasen werden.“ Bekanntermaßen flüchteten die Angreifer nach dem dem feigen Angriff auf hauptsächlich unbeteiligte und Ultra- und Hooligan-ferne Schalke-Fans als Schalker-Ultras (offenbar „Hugos“ und „UGE“) und die Polizei ins Geschehen eingriffen.

Die Stellungnahme wird mit (erneut) überraschenden Worten geschlossen: „Fussballfans sind keine Verbrecher“…

Update 22.11.2015, 10.00 Uhr

Mittlerweile ist ein Video von dem Angriff schwarz gekleideter und teilweise vermummter Bayern-Fans aufgetaucht. Zu sehen sind zunächst einzelne Scharmützel mit Schalke-Fans, die offenbar weder einer Ultra- noch einer Hooligan-Gruppierung angehören. Als die Polizei und offenbar auch zahlreiche Schalke-Fans eingreifen, flüchtet ein großer Teil der Angreifer. Einer der Aggressoren konnte nicht schnell genug flüchten und wird daraufhin von einigen Schalkern traktiert.


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Update 22.11.2015, 08.00 Uhr:

Die Polizei Gelsenkirchen hat Bilanz zum gestrigen Spiel und dem feigen Angriff von gewalttätigen Fans des FC Bayern München und des VfL Bochum gezogen. „Insgesamt verzeichnete die Polizei Gelsenkirchen im Zusammenhang mit dem Bundesligaspiel FC Schalke 04 gegen FC Bayern München 196 Freiheitsentziehungen“, meldet die Gelsenkirchener Polizei in einer offiziellen Mitteiliung.  Nach der Feststellung ihrer Personalien erhielten sie  einen Platzverweis für das Stadtgebiet Gelsenkirchen. „Ihr Verhalten wird des Weiteren einer strafrechtlichen Prüfung unterzogen.“

Die Anhänger des FC Schalke 04 ließen sich demnach durch den Angriff nicht provozieren, so dass die Nachspielphase insgesamt ruhig verlief.

Update 21.11.2015, 23.50 Uhr:

Noch in der Nacht hat sich Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzende des FC Bayern, zu dem feigen Angriff von FC Bayern- und VfL Bochum-Chaoten geäußert. „Der FC Bayern München distanziert sich unmissverständlich und in aller Form von diesen so genannten Anhängern unseres Vereins“, sagte Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern, nach dem Spiel.

„Gewalt kann und darf nie toleriert werden. Es ist mir und uns allen absolut unerklärlich, wie man sich gerade in diesem Moment, nach den furchtbaren Ereignissen von Paris, so respektlos gegenüber der Gesellschaft und dem Fußball zeigen kann. Ich habe erwartet, dass Fans des FC Bayern sich angemessen sensibel und anständig verhalten. Nahezu alle haben das getan, aber leider eben doch nicht alle, und das enttäuscht mich sehr. Ich entschuldige mich beim FC Schalke und allen Personen, die Schaden genommen haben, für die Entgleisung. Die örtliche Polizei hat in der schwierigen Situation eskalierender Gewalt gut reagiert und  überlegt gehandelt. Der FC Bayern München wird – in Absprache mit den Behörden Gelsenkirchens – gegen die dem FC Bayern zugeordneten Gewalttäter vorgehen.“

Ursprüngliche Meldung 21.11.2015, 22.00
Fans des FC Bayern München und des VfL Bochum haben vor dem Schalker Heimspiel gegen den FCB für schwere Ausschreitungen gesorgt. Ausgerechnet in einer ohnehin angespannten Atmosphäre unter dem Eindruck der Anschläge von Paris und dem abgesagten Länderspiel in Hannover sorgten Chaoten der beiden Vereine für zahlreiche Verletzte.

WechselgesangLaut Augenzeugenberichten versuchten rund 150 Bayern- und Bochum-Fans das Stadion zu stürmen. Wie die Polizei Gelsenkirchen mitteilte, hätten gewaltbereite Anhänger der beiden Clubs „versucht den Kassenbereich Nord an der Arena zu stürmen“. Wahllos schlugen diese auf Schalker ein und nahmen auch die Verletzung von Frauen und Kindern billigend in Kauf.

„Die Fans haben sich auf einem Parkplatz an der Arena getroffen, sich dann vermummt und sind dann, teilweise mit Schlagwerkzeugen bewaffnet, an der Kasse Nord auf unbeteiligte Fans zugegangen und haben diese geschlagen und verprügelt. Es gab zahlreiche Verletzungen“, erklärte Polizeiführer Karsten Plenker laut Ruhr-Nachrichten.de gegenüber „Sky“.

„Bei diesem extrem gewalttätigen Übergriff sind nach bisherigen Erkenntnissen zahlreiche Personen teilweise erheblich verletzt worden. Nur durch ein schnelles und konsequentes Einschreiten der Polizeikräfte konnte schlimmeres verhindert werden“, meldet die Polizei Gelsenkirchen. Wie Beobachter der Szenen berichteten, verteidigten sich Schalker Fans, zahlreiche Schalker Ultras – dem Vernehmen nach Teile der „Hugos“ und von „UGE“ – griffen ein.

Die Ordnungshüter nahmen dutzende Bayern-Fans fest. Darunter offenbar viele Ultras der Münchener „Schickeria“. Die „Aktion“ stellte sich deshalb schnell als klassisches Eigentor heraus: So fehlten im Gästeblock sowohl die obligatorische Zaunfahne der „Schickeria“ als auch Vertreter der Ultragruppierung. So blieb es im Gästeblock bis zur 1:2-Vorentscheidung muxmäuschenstill.

Über Redaktion (1090 Artikel)
Moritz Nolte ist Journalist und Blogger. Außerdem Vereinsmitglied und Dauerkartenbesitzer beim FC Schalke 04.

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