Mach et gut, Dschäff!

Jetzt ist es soweit. Sinnvoll ist es wahrscheinlich. Jefferson Farfan verlässt Schalke 04. Ein schlichter Satz auf dem Transferticker hinter dem doch mehr steht als nur der leise Abgang eines Spielers. Insbesondere, wenn es um einen derartigen Spieler wie Farfan geht.

Jefferson, als du zu Schalke 04 kamst, standen noch Bordon, Kobiashvilli und Westermann im Kader. Zeitlich gefühlt zwischen gestern und einer Ewigkeit.

Wenn du richtig aufgedreht hast, war es eine Wonne, dir zuzuschauen. Ob dir ein, zwei oder manchmal auch drei Gegner gegenüberstanden. Ob an der Eckfahne oder deiner fußballerischen Wohlfühloase: Dem offenen Feld. Wenn du den Startknopf für den Düsenantrieb gefunden hattest, wirkten die Verteidiger genauso unglücklich wie der Kojote, der den Road Runner fangen wollte.

Wie du  unbeteiligt und leicht frustriert übers Spielfeld trabtest, um dann aus dem Nichts einfach einen 50 Meter Defensivsprint hinzulegen, nur um den Angreifer an unserer Grundlinie den Ball abzugrätschen. Manch einer deiner Gegenspieler holte sich so im Windzug deines Antritts Gefrierbrand.

So viele Szenen in sieben Jahren Jefferson [email protected]

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Unvergessen dein Tor mit 80 Metern Anlauf kurz vor Schluss in Leverkusen.

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Das Freistoßtor gegen Valencia. Dein Daumenlutscher als Torjubel. Ruhig. Cool. Gelassen. Als hättest du gerade einen Liter Milch in den Kühlschrank gestellt. Während um dich herum die Stadionwelt emotional eskalierte.

Immer wieder wurde dir von den Medien der Titel Söldner verliehen. Dabei hast Du in deinem europäischen Profileben nur für zwei Vereine gespielt.

PSV Eindhoven und eben beim geilsten Klub der Welt.

Vielleicht ist Söldner in deinem Fall nur der Begriff für einen Spieler, der zwar finanziell auch nicht nein sagt zu dem, was geboten wird. Der aber trotzdem treu zum Verein steht, nicht durch Quatschen auffällt und einfach Fußball spielt. Dann lass sie dich alle da draußen nur Söldner nennen. Wir hier wissen, dass du es nicht bist.

Einen Hauch Monaco brachtest du in unsere Stadt, wenn dich halb Gelsenkirchen-Buer in deinem weißen Lamborghini mit offenem Verdeck rumfahren sah. Im Februar. Und dann musste ich sogar  schmunzeln, dass du nur zwei Tage nach dem Cabrioausflug wegen einer Erkältung nicht spielen konntest.

Wer hätte dir dafür böse sein können? Auch egal wie viele Rosenkriege mit Ex-Geliebten, Neu-Freundinnen und Zukunftsaffären uns aus dem peruanischen Boulevard erreichten. Und sind wir mal ehrlich: Shoppen in Mailand mit kaputten Knie ist doch schöner als mit kaputtem Knie in langweiligen Reha-Räumen zu vegetieren. „Dat is halt der Dschäff!“

Klar hattest du auch Spiele, die der Schalker Meckerrentner am treffendsten mit dem Satz charakterisiert: “Kärl, mit der Gurkä is heute abba widda nix los!“ Und irgendwie hatte ich oft das Gefühl, als ob bei dir oder mit dir nicht noch mehr möglich gewesen wäre.

Auch wenn es für dich nie einen eigenen Fangesang gab, dein Name nicht skandiertauglich genug war, um ihn ins Stadionrund zu rufen: Du gehörst trotzdem in die elitäre aber kleine Reihe der großen Schalker Rechtsaußen, die uns Schalker an einem guten Tag glücklich machen und die Magie des eleganten Fußballs zeigen konnten. In vielen Jahren werden wir mit leuchtenden Augen schwärmen. Von dir. Und still werden wir dabei die Durchsage des Quatschers im Gehörgang haben: „Die Vorlage…von unserer 17…Jefferson…….!“

Die 17 geht. Glückauf und hau rein, Dschäff!