Kritik an „Schalke-Bonus“-Programm

Mit „Schalke Bonus“ bietet der FC Schalke 04 seit Ende letzten Jahres ein Bonusprogramm für Schalke-Fans an. Teilnehmende Fans können durch den Kauf von Fanartikeln oder Tickets sogenannte Fan-Meilen sammeln und diese gegen „exklusive FC Schalke 04 Fanprämien einlösen„. Zur Gutschrift von Fan-Meilen sammelt der Verein personenbezogene Daten, die die Erstellung umfangreicher „Kundenprofile“ ermöglichen. Das stößt vielen Fans sauer auf.

Schalke-Bonus

Dennis Aogo wirbt für „Schalke Bonus“. Bild: FC Schalke 04

Bonusprogramme genießen in Deutschland allgemein keinen 100%-ig positiven Ruf. Das hierzulande wohl größte und bekannteste Bonus-Programm „Payback“ sah sich in Deutschland von Anfang an der Kritik von Datenschützern und Verbraucherschutzverbänden ausgesetzt. Die zwei wesentlichen Kritikpunkte: Bonus-Programme wie Payback ermöglichten den „gläsernen Kunden“ – was juristisch kaum zu beanstanden ist, zumal die Teilnahme freiwillig erfolgt. Zudem stellt sich die Frage, welche Ziele Bonusprogramme tatsächlich verfolgen: geht es wirklich nur um Kundenbindung oder doch darum, möglichst viel über seine Kunden, ihre Kaufkraft und Kaufgewohnheiten zu erfahren?

S04-Marketingvorstand Alexander Jobst erklärte Ende November zum Schalker Bonus-Programm: „Unsere Fans leben unseren Verein das ganze Jahr über. Für diese Unterstützung möchten wir mit Schalke Bonus möglichst viel zurückgeben“. Wie zahlreiche Schalke-Fans bezweifeln auch die Ultras Gelsenkirchen („Blauer Brief“ Ausgabe 8), dass es dem Verein lediglich um „Fanbindung und -belohnung“ geht. Sie befürchten, dass „es in Wahrheit (…) nur um die Sammlung von Daten und dem damit einhergehenden Erstellen von Kundenprofilen“ geht.

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Tatsächlich sammelt der FC Schalke 04, beziehungsweise zunächst der Betreiber des Programms, die SportMiles GmbH, alle möglichen Daten des freiwilligen Bonus-Programms. Persönliche Daten wie etwa der vollständige Name oder das Geburtsdatum – aber auch Zeit und Ort von Einkäufen, die im Rahmen des Bonus-Programms getätigt werden oder auch eingelöste Prämien. Offiziell geschieht das Speichern dieser Daten lediglich „zur Gutschrift von FanMeilen des Bonusprogramms und für das Einlösen von FanMeilen gegen Prämie“. Insofern verwundert im eigenen Schalke-Bonus-Account die (optionale und somit freiwillige) Abfrage nach der Anzahl der Kinder und nach dem Beziehungsstatus – immerhin wird der Schalke-Fan für seine Auskunftsfreudigkeit mit Bonus-Punkten belohnt…

Es besteht in der Tat die Möglichkeit, die gesammelten Daten für die Erstellung von Kundenprofilen und zur Auswertung von Konsumgewohnheiten zu nutzen. Und das tut der Verein tatsächlich. Er kommuniziert es allerdings nicht offensiv: Arbeitet man sich durch die umfangreichen Datenschutzbestimmungen, stolpert man über die Information, dass der Verein die erhobenen Daten für Werbung und Marktforschung erhebt, speichert und nutzt. Der Verein möchte so in die Lage versetzt werden, seinen Fans „Angebote für Produkte, Dienstleistungen und Services zu unterbreiten (z.B. durch Einblenden von personalisierter Werbung oder personalisierte Newsletter), welche nach unserer Einschätzung auf Ihre Bedürfnisse und Interessen zugeschnitten sind.“

Dieser Marketingvorstoß mag verwundern – Fans, die die Funktionsweisen des modernen Fußballs ablehnen, gar schocken. Auf der anderen Seite zeigt „Schalke Bonus“ einmal mehr, dass der FC Schalke 04 mittlerweile ein Fußballunternehmen ist. Ein Verein, der versucht, seine Identität, seine Rechtsform als Verein und seine unvergleichliche Tradition in Einklang mit Wirtschaftlichkeit und den Herausforderungen des Fußballgeschäfts zu bringen. Das kann man gut oder schlecht finden. Fest steht: um sportlich erfolgreich zu sein, muss auch die Wirtschaftlichkeit stimmen. Und hier könnte „Schalke Bonus“ seinen Teil leisten.

Bleibt die Frage, wer Zugriff auf die Teilnehmerdaten bekommt. Der FC Schalke 04 teilte auf Anfrage von Schalke-News.de mit, dass ausschließlich die SportMiles GmbH als technischer Betreiber und der FC Schalke 04 als Rechtehalter des Programms Zugriff auf die Daten haben. „Die Hoheit und die Kontrolle über die Nutzung der Daten liegt dabei zu jeder Zeit beim FC Schalke 04.“

Der Befürchtung, dass Daten an Dritte wie etwa Sponsoren weitergegeben werden könnten, widerspricht der Verein energisch: „Nein. Der FC Schalke 04 würde dem sowieso keinesfalls zustimmen. (…) Erhobene personenbezogene Daten werden weder an Dritte weitergegeben noch verkauft, sondern ausschließlich für Auswertungen des FC Schalke 04 genutzt“, beruhigt der Verein.

Laut Datenschutzbestimmungen wäre dies zwar unter gewissen Voraussetzungen theoretisch möglich. „Eine Übermittlung Ihrer Teilnehmerdaten an Dritte (auch für Zwecke der Werbung und Marktforschung) erfolgt nur, wenn Sie dem gesondert zugestimmt haben oder es gesetzlich erlaubt ist (z.B. Weitergabe von Adressdaten an Kurierunternehmen für die Zustellung von Prämien).“ Laut Verein ist dies „aktuell nicht geplant“.


Offizielles Video des Vereins zu „Schalke Bonus“.


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Über Redaktion (1058 Artikel)
Moritz Nolte ist Journalist und Blogger. Außerdem Vereinsmitglied und Dauerkartenbesitzer beim FC Schalke 04.

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