Kommentar: Schalkes Transferpolitik ist schwer nachvollziehbar

Als Jefferson Farfan Ende Juli zu Al Jazira Abu Dhabi transferiert wurde, verabschiedete sich ein ganz wichtiger Leistungsträger. „Immerhin, war man sich sicher, hatte der Transfer eine anständige Ablösesumme in die Kassen gespült. Davon ließe sich sicherlich ein halbwegs adäquater Ersatz finden. Nachdem Namen wie Xherdan Shaqiri oder Dries Mertens gehandelt wurden, sich aber nichts tat, war davon auszugehen, dass S04 überhaupt nicht mit einem Ersatz plante.

Jefferson Farfan. Bild: Gerd Krause Sportfotos

Jefferson Farfan. Bild: Gerd Krause Sportfotos

Immerhin hatte man ja mit Eric Maxim Choupo-Moting, Leroy Sané und zur Not auch Leon Goretzka drei Leute, die man auf dem rechten Flügel einsetzen konnte. Als dann sogar Sidney Sam begnadigt wurde, für den eine Rückkehr vorher noch kategorisch ausgeschlossen wurde, war klar, dass S04 auf Rechts keinen Neuzugang mehr einplante.

Aber Fußball wird meist auf auf zwei Flügeln gespielt. Und für die linke Seite hatte man ja noch einen Mann von Format, zumindest aber mit richtig viel Potenzial im Kader: Julian Draxler. Zwar zeigte sich Juventus Turin über längere Zeit sehr interessiert, doch bereits recht früh zeichnete sich ab, dass das Angebot der Italiener geradezu lächerlich war, Schalke jedenfalls nicht überzeugen würde, den Jungstar abzugeben.

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Völlig nachvollziehbar hatte Horst Heldt interessierten Vereinen Ende letzter Woche eine Frist gesetzt, einen Zeitpunkt, zu dem ein Wechsel von Julian Draxler spätestens durch sein müsste, um auf dem Transfermarkt noch für Ersatz sorgen zu können. Schließlich hatte Schalke auf der rechten Seite ja bereits einen ganz wichtigen Mann verloren. „Morgen schließt das Fenster. Das weiß der Spieler, das weiß der Berater. Wenn bis morgen nichts kommt, bleibt der Spieler“, sagte ein selbstbewusster Horst Heldt.

Doch plötzlich galt diese Frist nicht mehr. „Am Samstag kam noch einmal Bewegung in das Thema eines möglichen Wechsels von Julian. Deshalb müssen wir es weiter bearbeiten. Dafür nehmen wir uns die notwendige Zeit und werden eine Entscheidung im Sinne des Vereins treffen“, so Heldt am Sonntag. Eine Absage mit Verweis auf die ursprünglich definierte Frist wäre eine Option gewesen, die nur konsequent gewesen wäre.

Julian Draxler. Bild: Gerd Krause Sportfotos

Julian Draxler. Bild: Gerd Krause Sportfotos

Nun wechselt Julian Draxler zum VfL Wolfsburg. Der Mann, den Coach Breitenreiter zu 100% halten wollte. Bitter: Während der Liga-Konkurrent einen namhaften Ersatz für seinen Top-Start präsentieren konnte, steht Schalke ohne da.


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Zwar konnte Schalke 04 unter anderem mit Johannes Geis für das defensive Mittelfeld oder Junior Caicara und Sascha Riether auf der rechten Abwehrseite große Lücken schließen, im offensiven Mittelfeld klaffen nun aber neue. Wenn man so will, hat Horst Heldt bestehende Lücken auf Kosten anderer Positionen geschlossen.

Angesichts einer zwischenzeitlichen negativen Transferbilanz in Höhe von 18,5 Millionen Euro hatten sich Beobachter und Fans ohnehin gefragt, wie Schalke 04 ein solches Defizit in einer Saison ohne Champions League-Millionen würde verantworten können. Die Antwort hat Horst Heldt heute geliefert.

Für die Außenpositionen hat Schalke 04 nur noch drei Spieler im Kader: Eric Maxim Choupo-Moting, Sidney Sam – und Leroy Sané. Zur Erinnerung: Trainer André Breitenreiter will offensiv spielen lassen, setzt auf frühes Gegenpressing und hohe Laufbereitschaft. Fraglich, wie lange das bei der aktuellen Dreifachbelastung aus Bundesliga, Europa League und DFB-Pokal durchzuhalten ist.

Und erst letzten Donnerstag hatte André Breitenreiter erklärt, Leroy Sané behutsam aufbauen zu wollen. Die Personaldecke lässt das nun nicht mehr zu: der 19-Jährige wird jetzt mehr Verantwortung denn je übernehmen müssen. Und „Choupo“ zu seiner alten Form finden. Und Sidney Sam den Trainingsrückstand aufholen und seine Lust am Fußballspielen wieder finden. Und bestenfalls bleiben alle drei die komplette Saison über unverletzt.

Während Leroy Sané jetzt zum Stammspieler werden dürfte, traute man anderen Talenten aus der Schalker Knappenschmiede offenbar nicht allzu viel zu und transferierte sie. Gehen musste die viel versprechenden Talente Maurice Multhaup, Marcel Sobottka (zu Fortuna Düsseldorf), Pascal Itter (zum SV Grödig nach Österreich) und Felix Schröter (auf Leihbasis zu Heidenheim). Und selbst Marvin Friedrich wäre kurz vor Transferschluss noch fast auf Leihbasis zum Hamburger SV gewechselt. Letztlich scheiterte es an den liquiden Mitteln der Norddeutschen.

Wie sagte ein User eines großen Schalke 04-Fanforums: „Das ist jetzt irgendwie nichts halbes und nichts ganzes. Eingekauft haben wir, als ob wir wieder die CL erreichen wollen. Verkauft haben wir, als ob wir in Zukunft auch mit Platz 5-7 zufrieden sind. Da vermisse ich das schlüssige Gesamtbild“.

Über Redaktion (1086 Artikel)
Moritz Nolte ist Journalist und Blogger. Außerdem Vereinsmitglied und Dauerkartenbesitzer beim FC Schalke 04.

3 Kommentare zu Kommentar: Schalkes Transferpolitik ist schwer nachvollziehbar

  1. Der Anspruch in jedem Jahr in BL. oben mit zu spielen oder international zu spielen ist wie immer riesen groß. Die Umsetzung allerdings mangelhaft. Außer dem Transfer von Geis ist die Transferpolitik von S04 nicht nachvollziehbar. Andere Vereine sind meilenweit voraus.
    In dieser Saison max platz 6 bis 12.
    Übrigens: ich bin seit ca. 50 Jahren Schalke Fan. Gegen eine Ablösesumme von vielleicht 25 Millionen wechsel ich auch zum BVB.

  2. Du hast doch jetzt nicht allen Ernstes den größten Klugscheißer und Dummschwätzer aus dem Block5-Forum zitiert, oder?

  3. @Anton: so tief bin ich bei euch im Forum nicht drin, aber mit diesem Satz hat er die Problematik ganz gut auf den Punkt gebracht. 🙂

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