Kommentar: Klappe halten, Mund aufmachen?

Schalke. Was für eine Woche bislang. Jetzt also noch ein Stimmungsboykott beim Spiel gegen Paderborn. Nach 32 Spieltagen ist die Geduld verständlicherweise vielfach am Ende, zumal die Schalker Fanlandschaft bislang eine Menge dieser Geduld aufbringen konnte.  

KolumneZahlreiche Fanorganisationen und Fanclubs haben bereits signalisiert, sich dem stillen, aber doch irgendwie lauten Protest anzuschließen. Trotzdem gibt es natürlich auch kritische Äußerungen. Das ist auch in Ordnung. Meinungsvielfalt gehört dazu und ist wichtig. Diskussionen machen Themen lebendiger.  Nur wäre es verdammt schade, wenn manche Schalker diese konsequente Aktion  nutzen, um wieder gut gepflegte Ressentiments insbesondere gegenüber einer Fangruppierung auszuleben. Das ist einfach nicht Thema. Passt vor diesem Hintergrund vielleicht nicht in manche Vorurteilsketten, aber derartige Maßnahmen wie Stimmungsboykott, leere Blöcke, etc. waren bereits zu seeligen Parkstadionzeiten, lange vor einer Ultrakultur, ein Mittel der Fans.

Es sollten sich alle Schalker Samstag etwas zu Herzen nehmen: Akzeptiert die Sichtweise des Anderen. Akzeptiert, wenn jemand die Mannschaft doch lautstark anfeuern will. Akzeptiert aber genauso, wenn jemand schweigen möchte und sich auf diese Weise Gehör verschafft.

Denn es wäre äußerst bitter, wenn es durch die verschiedenen Ansichten zu Situationen kommt, die öffentlichkeitswirksam wieder in der Schublade landen mit der Aufschrift: „Guck ma, die bekloppten Schalker hauen sich wieder gegenseitig in die Schnauze!“ Ob jetzt nur verbal oder sogar körperlich. Es gibt zwar Dinge, die man vom alten Schalke vermisst. Dieses Bild gehört definitiv nicht dazu.

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Wer den Aufruf der UGE komplett gelesen hat: Es geht doch um weit mehr als nur die sportliche Situation. Dinge, die sich schon länger abzeichnen und nun aber eben nicht mehr vom Feigenblatt des sportlichen Erfolges verdeckt werden.

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Natürlich ist Schalke größer als handelnde Personen. Es kann sich auch kein Verantwortlicher gerade in der Schalker Historie von Fehlern freisprechen oder um es markig mit den Worten eines Ruhrpottlers zu sagen: “Scheiße ham se doch fast alle mal gebaut!“

Wenn eben aber aktuell verantwortliche Personen Schalke derart prägen, nein, tendenziell zum Negativen für viele Anhänger verformen, dann kann man das irgendwann nicht mehr akzeptieren. Dann ist es zwangsläufig, die Stimme zu erheben oder wie kommenden Samstag es eben mal nicht zu tun. Wie kann man sich sonst bemerkbar machen?

Sicherlich hat niemand ein Navigationsgerät dafür, um den 1904-prozentig richtigen Weg für die Zukunft einzuschlagen. Doch was wäre eine gute Grundlage? Vielleicht: Leidenschaft, Identifikation und Authentizität?

Es ist illusorisch und verklärt, 11 Gelsenkirchener Schalke-Fans mit Geburtshaus in der Blumendelle auf dem Platz stehen zu haben. Aber  Spieler, deren Bekenntnisse und Zuneigung zu Schalke und seinen Fans nicht bloß aus dem Nachplappern medienwirksamer Sprüchlein bestehen, sondern die von Herzen bereit sind, zu fühlen: „Boah, Kärl, is dat geil für Schalke zu spielen!“. Das wäre was.  Leidenschaft entsteht im Innern und zeigt sich dann nach Außen. Und nichts honoriert der Schalker so sehr wie Leidenschaft.

Oder weg von der zwangsauferlegten Identifikation und der im Akkord arbeitenden Corporate Identity Maschine unter Überstrapazieren unserer einzigartigen Geschichte. Identifikation entsteht im Innern und zeigt sich dann nach Außen.

Daraus resultiert dann auch wieder: Schalke ist anders. Schalke muss sich nicht verstellen und versuchen etwas zu sein, was es nicht ist. Dann sind wir authentisch.

Identifikation, Leidenschaft und Authentizität. Ehrlich und einfach gelebt.

Nur: Kann das mit den derzeit agierenden Verantwortlichen entstehen? Ich würde mir sogar wünschen, dass ich eines Besseren belehrt werde, nur ich glaube nicht daran.

Aber erstmal halte ich Samstag mal für 45 Minuten die Schnute, denn ich hab nur die Hälfte Bock.

Glückauf

Stefan