Die zwei Seiten des Kevin-Prince Boateng

Seit Monaten scheint klar: Kevin-Prince Boateng wird den FC Schalke 04 zum Saisonende verlassen. Dem Vernehmen nach soll der Deutsch-Ghanaer auf der Abschussliste stehen. In dieser Saison konnte „KPB“ kaum überzeugen, viele kleinere Verletzungen hinderten den Mittelfeldspieler daran, richtig in Form zu kommen. Zudem soll er häufig unter Schmerzen gespielt haben und sich mit seinem Verhalten abseits des Fußballplatzes bei der Schalker Führung unbeliebt gemacht haben.

Bild: Gerd Krause Sportfotos

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Zwar wurden Horst Heldt und Roberto di Matteo zuletzt nicht müde, zu betonen, dass sie auch in der nächsten Saison mit Boateng planen. So wirklich abnehmen kann man es den Beiden aber nicht. Unter Di Matteo ist der „Prince“ nicht mehr als ein Ergänzungsspieler. Aber ausgerechnet dieser Ergänzungsspieler sorgte mit seinen Aktionen (1 Assist und 1 Tor, das als Assist in die Statistik eingegangen ist) gegen den VfB Stuttgart maßgeblich für den wichtigen 3:2-Sieg.

Schalke-Boss Clemens Tönnies: „Das ist Kevin. Den darf man nicht abschreiben. Wenn der will, ist er grandios.“ Stellt sich die Frage, warum Boateng in dieser Saison offenbar zu selten „wollte“. Oder konnte. Hätte Roberto di Matteo seinem vermeintlichen Führungsspieler mehr Vertrauen schenken müssen?

Bild: Gerd Krause Sportfotos

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Denn zwischendurch zeigte Kevin-Prince Boateng immer wieder eindrucksvoll, dass er Schalke helfen kann. Etwa beim 3:2 in der Hinrunde gegen den VfL Wolfsburg. Unterm Strich zeigte Boateng aber zuwenig – genauso wie die gesamte Mannschaft.

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An der Einstellung scheint es jedenfalls nicht zu liegen. Zumindest zuletzt nicht. Gegenüber der „Sport Bild“ erklärte Mannschaftskollege und Boateng-Kumpel Dennis Aogo: „Ich sehe Kevin schon seit längerer Zeit in guter Form. Er trainiert gut“.

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Und auch außenstehende Beobachter attestieren dem „Enfant terrible“ ein hohes Maß an Motivation. Die Schalke-Kolumnistin Susanne Hein-Reipen etwa beobachtete als Hisense Fan-Sofa Reporterin Kevin-Prince Boateng beim Spiel gegen den VfB Stuttgart hinter der Trainerbank sitzend genau:

„Kevin-Prince Boateng wird ja gerne als „Lustlos-Profi“ oder demotiviert beschrieben – für gestern kann ich das absolut nicht bestätigen, er „lebte“ jeden Spielzug auf der Bank förmlich mit, textet ununterbrochen auf den neben ihm sitzenden Kolasinac ein und legt sich gemeinsam mit ihm mehrfach mit dem 4. Offiziellen an.“

Für den Rest der Saison könnte Roberto di Matteo wieder auf den (mittlerweile offenbar) formstarken Boateng setzen. Und Boateng wird alles dafür geben, diese Chance zu nutzen. Vielleicht für Schalke. Oder um sich weiter in den Fokus potenzieller neuer Arbeitgeber zu spielen…

Über Moritz (1175 Artikel)
Moritz ist Journalist und Blogger. Außerdem Vereinsmitglied und Dauerkartenbesitzer beim FC Schalke 04.